Samstag, 8. Oktober 2016

Geilheit, Gier und Würde. Predigt zum 20. S.n. Tr.; 1.Thess 4,1-8


1.Thess 4,1-8

4 1 Weiter, liebe Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus – da ihr von uns empfangen habt, wie ihr leben sollt, um Gott zu gefallen, was ihr ja auch tut –, dass ihr darin immer vollkommener werdet. 2 Denn ihr wisst, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus.

 3 Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht 4 und ein jeder von euch seine eigene Frau zu gewinnen suche in Heiligkeit und Ehrerbietung, 5 nicht in gieriger Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen. 6 Niemand gehe zu weit und [a]übervorteile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist ein Richter über das alles, wie wir euch schon früher gesagt und bezeugt haben.

7 Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung. 8 Wer das nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen Heiligen Geist in euch gibt.
 
Liebe Gemeinde!

Das sind sehr klare Worte. Wir sollen nach Gottes Willen leben. Und Paulus bringt zwei Beispiele, die mitten ins Leben greifen. Wir sollen die Unzucht meiden und wir sollen die „gierige Lust“ vermeiden.

Unzucht ist ein Wort, das ziemlich aus der Mode gekommen ist. Denn es meint so etwas wie eine fehlgeleitete Sexualität, das was früher Geilheit genannt wurde. Das ist ein heißes Thema. Viele denken jetzt zum Beispiel sofort an Homosexualität oder an Pornographie. Es könnte hier der Eindruck entstehen, als würde der Apostel die Sexualität im Ganzen verdammen. Das denken ja viele Menschen, dass Sexualität im Grunde schlecht ist. Andererseits spürt ja jeder, wie stark die Sexualität in uns ist, wie stark das Begehren in uns ist. Kann es sein, dass Gott die Sexualität im Ganzen verdammt? Aber warum hat er sie uns dann gegeben? Wir spüren doch ganz deutlich, dass wir diesem starken Trieb in uns kaum wederstehen können, er ist vielleicht der stärkste Trieb, den wir haben. Es geht ja nicht nur um Fortpflanzung. Sondern es geht ja auch um die Lust, es geht um Freude am Leben, Freude an der Beziehung, es geht um körperliche Nähe, die wir brauchen, wie das tägliche Brot. Kann etwas so Schönes und Wichtiges wirklich schlecht sein?

Das ist natürlich nicht der Fall. Es geht hier darum, dass wir lernen, mit unseren Trieben und Gelüsten umzugehen. Nicht die Sexualität ist schlecht, sondern das, was daraus werden kann. Auf kaum einem Gebiet können sich Menschen so weh tun, wie auf diesem. Darum geht es. Damit das klar ist, nennt er noch ein zweites Beispiel. Da geht auch um die gierige Lust, diesmal aber nicht im Sinne der Sexualität, sondern im Sinne der Geldgier. Wir sollen einander nicht übervorteilen, das heißt: Wir sollen einander nicht betrügen, wenn wir miteinander Handel treiben. Das leuchtet unmittelbar ein. Betrug ist etwas sehr Häßlliches, und wer schon einmal so richtig betrogen worden ist, wird das auch gut verstehen: Es ist eine ungeheure Kränkung, wenn wir merken, dass wir übers Ohr gehauen worden sind.

Was haben nun Betrug und "Unzucht" miteinander gemeinsam? Und warum verstoßen sie gegen Gottes Willen? Was steckt dahinter?

Das moderne Wort für das, was Paulus meint, heißt Respekt. Wer seiner Geilheit oder seiner Geldgier nachgeht, ohne Rücksicht auf andere zu nehmen, verletzt die Würde des Menschen. Denn wir haben ein Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit. Wir haben ein Recht darauf, respektiert zu werden in unsern Wünschen und Bedürfnissen, in unserem Verlagen nach Freiheit und Selbstbestimmung, in unserer Persönlichkeit. In dem Moment, wo mich jemand nicht respektiert, benutzt er mich. Dann macht er mich zu einer Sache, zu einem Gegenstand seiner Gier und behandelt mich nicht mehr als Mensch, sondern als ein Ding.  Darum geht es. Denn Gott hat uns als freie Menschen geschaffen, er hat uns eine Würde gegeben. Tiefster Ausdruck dafür ist es, dass Gott selber ein Mensch wurde, in Jesus Christus. Damit hat er ein für allemal deutlich gesagt, dass der Mensch unendlich viel Wert ist und das er niemals zu einer Sache gemacht werden darf, sondern dass wir Menschen ein Anrecht darauf haben, mit Respekt und Liebe behandelt zu werden. Genau das ist mit dem Wort „Heiligung“ gemeint. Denn Heilig ist etwas dann, wenn es zu Gott gehört, wenn es Gottes Eigentum ist und nicht das Eigentum von Menschen. Und also auch mit Ehrfurcht behandelt werden muss und soll. Darum geht es. Wer seiner Gier soweit nachgeht, dass er andere Menschenzu seinem Vorteil benutzt, der treibt Unzucht, der gibt sich der gierigen Lust hin ohne Rücksicht auf Verluste. Darum nimmt er Sexualiität und Handel als Beispiel, denn hier ist die Gefahr besonders groß, andere Menschen zu missbrauchen. Darum ermahnt er die Männer, ihre Frauen mit Ehrerbietung zu behandeln, nicht als ihr Eigentum, sondern als ein Geschenk, das ihnen von Gott gegeben worden ist. Was immer wir miteinander tun, es darf nur im gegenseitigen Einvernehmen geschehen. Das ist der Schlüssel. Denn um dieses Einvernehmen zu erlangen, müssen wir miteinander reden, müssen wir in Respekt und Ehrerbietung miteinander umgehen. Das schreibt er ja ganz wörtlich: „und ein jeder von euch suche seine eigene Frau zu gewinnen in Heiligkeit und Ehrerbietung“. Mit der Eheschließung hat der Mann kein Recht auf seine Frau gewonnen. Sie ist nicht sein Eigentum, sondern seine Partnerin, und die Kunst einer guten Ehe besteht darin, auf Augenhöhe miteinander zu verhandeln. Das war damals eine ebenso radikale Botschaft wie heute, und es gilt für jede Partnerschaft, egal, ob zwischen Männern und Frauen oder Partnern gleichen Geschlechtes, egal ob sie verheiratet sind oder sich auf andere Weise zum gemeinsamen Leben verpflichtet haben. Es gilt zum Beispiel auch im Verhältnis von Lehrern und Schülern oder zwischen Angestellten und Vorgesetzten. Darum gilt es auch für den Handel, also für das Wirtschaftsleben. Das Wesen des Handles ist die Verhandlung, ist das Gespräch unter Partnern, die miteinander den Preis für eine Sache aushandeln. Redet miteinander, das ist die eigentliche Botschaft hinter diesen Worten, und redet miteinander als geleichberechtigte Partner, als Kinder des einen Gottes. Bedenkt immer, was für eine kostbare und verletzliche Gabe der andere Mensch ist. Denn dann wahren wir unser Würde. Vielleicht ist das Wort „Würde“ sogar heute die bessere Übersetzung für das, was Paulus mit „Heiligkeit“ meint. Bewahrt in allem, was ihr tut, die Würde, denn wenn ihr würdelos handelt, verletzt ihr nicht nur den anderen Menschen, sondern auch Euch selbst!

Das klingt dann auf einmal ganz modern. Denn unser moderne Gesellschaft baut auf die Würde des Menschen. Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland heißt es ganz eindeutig: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Und auch wenn das Grundgesetz kein christlicher Text im engeren Sinne ist, weil es religiös neutral ist, so spiegelt sich doch darin die christliche Grundlage unsere Kultur. Sie baut ganz auf die Menschenwürde. Das betrifft zum Beispiel unseren Umgang mit den Fremden unter uns. Auch dann, wenn es die Zuwanderung der vielen Menschen in unser Land Sorge bereiten mag, weil es eine riesige Aufgabe voller Risiken ist, dürfen wir die Fremden nicht anders behandeln, wie wir selber gerne behandelt werden möchten. Wir verlieren unsere Würde, wenn wir die anderen Menschen würdelos behandeln. Dabei spielt die Frage, ob unser Ängste vor den Fremden berechtigt sind, oder nicht, erst einmal gar keine Rolle. Vor allem anderen, was Fremde sind, sind sie Menschen und als solche von Gott ohne alle Bedingungen geliebte Menschen. Wenn ihre Häuser angezündet werden, wenn wir sie beschimpfen und verächtlich von ihnen reden, verletzen wir nicht nur sie, sondern auch uns selbst. Wir handeln dann weit unter unseren Niveau. Das macht das, was in unserem Land gerade so geschieht, aus christlicher Sicht so schwer ertragbar. Und darum müssen wir als Christen dagegen auch unsere Stimme erheben. Andere Menschen zu verachten, weil sie anders sind, ist nicht der richtige Weg. Der richtige Weg ist, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, einander kennenzulernen, danach zu fragen, was die Menschen jetzt brauchen und ihnen Unterstützung und Hilfen anzubieten, soweit es in unser Kraft steht, und wenn es über unsere Kraft geht, woanders Hilfe zu suchen und gemeinsam Wege zu finden, wie wir die Krise meistern können. Sonst wird aus der Krise schnell ein Krieg, im übertragenen, aber oft genug auch im wörtlichen Sinne. Wir reden ja auch bei einer Ehe, in der die Partner den Respekt voreinander verloren haben, vom Ehekrieg. Das ist nicht so witzig, wie es klingt.

Das gilt für alle Lebensgebiete. Es ist letztlich die Frage, wie wir miteinander umgehen und was uns dient und nützt. An anderer Stelle sagt Paulus: Alles ist erlaubt, aber nicht alles hat einen Nutzen. Lasst uns als Christen, lasst uns als Menschen immer danach fragen, was wir brauchen und was uns hilft, dann erfüllen wir den Willen Gottes. In diesem Sinne kann man tatsächlich darin wachsen, „heilig“ zu werden und bessere Menschen zu werden. Nicht, indem wir nach abstrakten Regeln fragen, sondern danach, was uns weiter bringt auf dem Weg des Friedens.

Die altmodischen und harten Worte des Paulus klingen so auf einmal ganz modern, weil sie uns auf den Weg der Menschlichkeit bringen. Respektloses Verhalten aber, dass andere Menschen oder andre Geschöpfe zu einer bloßen Sache degradiert, ist kein sehr menschliches Verhalten. Es ist im Grunde ganz einfach, worum er hier geht, und Jesus sagt es an anderer Stelle auch ganz einfach: Behandele die anderen so, wie du auch gerne behandelt werden möchtest. Folge nicht deinen Ängsten und deinen Lüsten, sondern frag nach der Angst und der Lust der anderen. Dann seid ihr heilig und lebt, wie es Gott gefällt: nämlich als Geschöpfe, denen von Gott eine unverlierbare Würde eingesenkt wurde. Das ist die einfache Antwort auf die einfache Frage, wie wir als Christen richtig leben: lebt in Respekt voreinander!

Nur so kann die Welt ein besserer Ort werden, als sie ist: ein Ort, wo Menschen vor Menschen keine Angst mehr zu haben brauchen, sondern in einem Klima von Vertrauen, Zuversicht und Hoffnung miteinander leben können. Dann können wir die Sexualität genießen und die Gaben der Schöpfung in gerechtem Handle miteinander tauschen. Nicht der Sex und nicht das Geschäftemachen sind böse, sondern wenn wir den Respekt voreinander verlieren, gewinnt das Böse über uns Macht. Das aber kann nicht unserem Interessse sein. Denn nur wo Respekt und Rücksichtnahme herrschen, kann der Frieden wachsen.

Denn mehr wollen wir doch gar nicht. Mehr will auch Gott nicht. Ich glaube nicht, dass das zu viel verlangt ist, auch wenn es eine große Herausforderung ist. Aber wir können uns ihr getrost stellen. Und wenn uns unser Kraft verlässt, wenn Angst und Gier in uns Überhand nehmen: Dann lasst uns zu Gott beten, dass er uns hilft, den Respekt und die Würde wiederzufinden: Führe uns nicht Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Wie du es in Jesus Christus getan hast.

Amen.

Freitag, 9. September 2016

Besonnenheit. Predigt zum 16. S.n.Trin, 2 Tim 1, 7-10.


2 Tim 1, 7-10.
 
 

 
7 Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
8 Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes.
9 Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt,
10 jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium,

 
 




Liebe Gemeinde.

Konfirmanden stellen oft eine sehr einfache Frage: Was habe ich eigentlich davon, wenn ich glaube? Das erscheint vielen Älteren eine geradezu ungehörige Frage, weil für sie der Glauben vielleicht noch selbstverständlich ist. Wir fragen ja auch nicht: was habe ich davon, wenn ich esse?

Nur ist Glauben aber, anders als Essen, eine freiwillige Angelegenheit. Wir müssen nicht glauben. Wir können es und wir sollen es.

Was würdet Ihr denn sagen, was ihr vom Glauben habt? Was bringt es, an Gott und Jesus Christus zu glauben, was bringt es, religiös zu sein? Nun scheint es ja doch etwas töricht zu sein, diese Frage hier zu stellen: Ihr seid ja da. Ihr habt zumindest eine Ahnung, was es bringt, oder doch eine Hoffnung, dass es etwas bringt. Aber das ist ja Grundproblem von Gottesdienst und Predigt überhaupt: Wir predigen im Grunde den Falschen; denen, die schon da sind und vom Glauben etwas erwarten.  Als ich noch ganz am Anfang war, hat das ein kluger Konfirmand mal gesagt: Warum wir in den Gottesdienst kommen müssen, kann ich ja verstehen: wir müssen es noch lernen. Aber bei den anderen verstehe ich es nicht so richtig.

Dahinter steht natürlich die Vorstellung, dass Glauben so etwas Ähnliches ist wie Wissen oder Können. Ich habe dem Konfirmanden damals – nach einigem Nachdenken, ich war ja wirklich noch ein Anfänger und auf solche Fragen nicht gut vorbereitet  - ich habe also nach einigem Nachdenken gesagt: Es ist nicht wie Schule, es ist eher wie Sport oder Musik. Man muss auch üben. Der Glaube ist nicht einfach so da, als ob man es einmal verstanden hätte und dann reicht das für den Rest des leben. Nein, man kann beim Glauben regelrecht aus der Übung kommen. Schlimmer noch: man kann seinen Glauben verlieren! Der Gottesdienst ist also dazu da, den Glauben zu trainieren. Aber was trainiert man da? Es gibt ja keinen Glaubensmuskel, der geübt werden muss! Also: was bringt der Glaube und warum muss an am Glauben dran bleiben, wie man beim Sport oder bei der Musik dran bleiben muss? Diese Frage, die so modern erscheint, ist in Wahrheit eine der Grundfragen des Glaubens überhaupt. Die ganze Bibel hat mit dieser Frage zu tun, und sie versucht auf ganz verschiedene Weise, darauf zu antworten. Eine besonders schöne Antwort hören wir heute. Es sind Worte aus dem Timotheusbrief, und sie gehören zu meinen speziellen Lieblingsworten. Hören wir also die folgenden Worte als Antwort auf die Frage: Was bringt es eigentlich, zu glauben und warum soll ich das ein Leben lang üben?

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

8 Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes.

9 Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt,

10 jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.

 

Das sind sehr gewichtige Worte. Das schaffen wir heute morgen nicht alles. Aber das, was uns heute interessiert, seht ja gleich im ersten Satz, und auf den möchte ich mich konzentrieren: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Also: Einen Geist haben wir von Gott geschenkt bekommen. Was ist damit gemeint? Damit ist der Heilige Geist gemeint. Es ist der Geist Gottes, der uns Menschen gegeben wird, damit er unseren Geist erweitert und erneuert. Aber was ist der Geist? Der Geist ist sozusagen alles das an uns, was an uns nicht sichtbar ist. Gedanken, Gefühle, Bewusstsein. „Geh mir nicht auf den Geist“, sagen wir, wenn uns jemand nervt. Oder wir reden auch vom „Geist des Sport“ und meinen damit so etwas wie Fairness und die Bereitschaft, sich für ein Ziel anzustrengen. Der Geist das, was uns zu Menschen macht. In der Schöpfungsgeschichte wird das in einem schlichten  mythischen Bild sehr einfach erzählt: Gott knetet den Adam aus Ton, dann haucht er ihm seinen Geist ein, und Adam beginnt zu leben. Weil er den Geist Gottes hat, das ist die Idee dahinter, kann der Mensch sprechen, denken und lieben. Der Geist ist das, was alle Menschen gemeinsam haben. Er ist das Göttliche in uns. Aber es gibt ein Problem: unser Geist ist sehr anfällig. Unser Geist kann verwirrt werden. Wir nennen ja Menschen, verwirrt sind oder deren Denken eingeschränkt ist, oft auch „geisteskrank“. In der Tat ist unser Geist sehr bedroht: und zwar vor allem von der Angst. Der Preis dafür, dass wir denken, fühlen und sprechen können ist, dass wir Angst haben. Denn es ist unser Geist, der sich Gedanken macht über die Zukunft, es ist unser Geist, der Pläne macht und sich sorgt. Unser Geist ist anfällig. Er kann zum Beispiel so verwirrt werden, dass wir anfangen, andere Menschen zu hassen. Oder dass wir anfangen, den Bezug zur Wirklichkeit zu verlieren.

Darum schenkt uns Gott seinen Geist. Und das ist kein geheimnisvoller, mystischer Vorgang. Sondern Gott schenkt uns seinen Geist auf eine ganz einfach, schlichte Weise: er spricht zu uns. Darum hat er die Propheten geschickt, darum hat er Jesus geschickt, darum predigen wir. Im Grunde kann man sagen: Die Aufgabe Jesu war es, den Geist Gottes den Menschen so nahe zu bringen, dass sie sich von ihm anstecken und begeistern lassen. Und wenn es die Angst ist, die uns von allen guten Geistern verlassen sein lässt, dann ist das, was Jesus uns schenkt, eben ein Mittel gegen die Angst. Denn wann geraten wir in Angst? Wenn wir das Vertrauen in die Zukunft, in die Welt und in die Menschen und schließlich auch in Gott verlieren. Jesus will uns zum Vertrauen führen. Darum kann man im Grunde das ganze Evangelium in einem Satz zusammenfassen, der darum auch besonders häufig in der Bibel fällt: Fürchtet Euch nicht! Ihr seid nicht von Gott verlassen, ihr sein nicht allein, ihr seid dem Tod nicht ausgeliefert. Es gibt eine Kraft, die in Euch wirken will, damit ihr der Angst etwas entgegensetzen könnte. Damit hätten wir den ersten Punkt schon erreicht: Gott hat uns einen Geist der Kraft gegeben. Eine Geist, der uns stark macht, das Leben zu gestalten. Wie macht er das? Indem er uns zur Besonnenheit führt. Und das wird so allmählich eine Art Lieblingswort von mir. Besonnenheit: das meint im Grunde etwas ganz einfaches. Es ist die Fähigkeit, in Ruhe nachzudenken, sich ein genaues und klares Urteil zu bilden, Besonnenheit meint im Grunde: mach mal eine Pause, denk erst einmal gründlich nach, schau genau hin. Und das ist, wenn ich recht sehe, etwas, was wir im Moment so dringend brauchen wie schon lagen nicht mehr. Im Moment ist die Luft in unserem Lande erfüllt von einem Geschrei und einem Geplärr, einem Geschwätz und einer Hysterie, das man manchmal wirklich den Eindruck bekommen kann, das wir von allen guten Geistern verlassen sind und das Denken völlig verlernt haben. Es geht uns so gut wie nie: aber zwei Drittel aller Deutschen haben Angst. Vor Terrorismus zum Beispiel. Das ist bei Lichte betrachtet ein wenig grotesk. Jährlich sterben 10.000 Menschen durch die eigene Hand, 5000 Menschen im Autoverkehr, und auch die Zahl der Toten, die bei der Hausarbeit umkommen, ist sehr hoch; rund 7000 jährlich, allein 500 Leute sterben jährlich an verschluckten Kugelschreiberteilen. Aber wir fürchten uns vor einem Terroranschlag, der so unwahrscheinlich ist, wie vom Blitz getroffen zu werden, und der in Deutschland in diesem Jahr kaum die 100 erreicht hat. Das Land, in dem faktisch fast gar keine Ausländer leben, und schon gar keine Flüchtlinge, wählt eine Partei, die sich den Kampf gegen Überfremdung auf die Fahen geschrieben hat. Eine Nachfrage dieser Partei an die Regierung in Mecklenburg hat ergeben, dass von rund 2000 politisch motivierten Straftaten ganze 15 von Ausländern verübt wurden, der Rest von Deutschen. Also: genau hinschauen und besonnen bleiben.

Ich will das alles nicht verharmlosen: die Gefahren durch den Terrorismus liegen aber ganz woanders, als darin, selber ein Opfer zu werden, und die Probleme mit der Integration der Zuwanderer woanders als im Bereich der Kriminalität.  

Also: ein Moment der Besonnenheit genügt, um uns deutlich zu machen: Wir fürchten uns meisten vor dem Falschen und auf falsche Weise, weil wir uns von unserer Angst an der Nase herumführen lassen.

Das ist nur ein Beispiel, und ich weiß auch, dass es ein sehr drastisches Beispiel ist. Der Geist der Besonnenheit aber kann uns helfen, die Wirklichkeit genauer wahrzunehmen und nicht gleich jedem Impuls zu folgen, der uns in den Sinn kommt. Der Geist der Besonnenheit will uns helfen, klug zu werden. Und darum nennt Timotheus diesen Geist der Kraft und der Besonnenheit auch den Geist der Liebe. Die Liebe nämlich glaubt an das Gute. Die Liebe sieht das Schöne, Starke und Freundliche in der Welt, und schaut die Welt von da aus an. Die Liebe ist der Blick, den Gott auf die Welt hat.

Und das ist im Grunde schon die ganze Antwort auf die Frage, was uns der Glaube bringt. Er bringt einen neuen Geist in unser Herz und übt mit uns den Blick der Liebe ein, der uns hilft, gegen alles Geschrei, gegen alle Hysterie anzukämpfen, ruhig und besonnen zu bleiben, gut zu überlegen, Lösungen zu finden, die allen nützen und schließlich auf diese Weise zum Frieden in unserem Herzen, in unsere Nachbarschaft und auf der Welt beizutragen.

Es wird viel geredet in letzter Zeit von den christlichen Werten, die wir bewahren müssen. Die Worte des Timotheus machen uns klar, was einer dieser Werte ist: Die Besonnenheit. Und da wir so anfällig sind für alles mögliche Geschrei und Geschwätz, weil unser Geist schwach ist, will uns Gott durch sein Wort helfen, unseren Geist in der Liebe zu üben. Und darum müssen wir diese Worte immer wieder hören und uns vergewissern, und darum feiern wir Gottesdienst und sollten möglichst viele dazu einladen.

Das bringt der Glaube, darum brauchen wir den Gottesdienst. Wir müssen es immer wieder hören, damit die Angst nicht siegt und wir aus der Angst heraus törichte Dinge tun, weil sie uns den Geist vernebelt. Der Glaube, meine Lieben, sorgt für Klarheit, weil er mit uns die Liebe einübt.

Und das ist ja nun wahrhaftig nicht wenig.

Amen.
 
 

Sonntag, 26. Juni 2016

Dankbarkeit. Predigt zum Stadtfestgottesdienst 50 Jahre Baunatal


Die zehn Aussätzigen

11 Und es begab sich,  als er nach Jerusalem wanderte, dass er durch Samarien und Galiläa hin zog.

12 Und als er in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer; die standen von ferne

13 und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser!

14 Und als er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein.

15 Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme

16 und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter.

17 Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun?

18 Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde?

19 Und er sprach zu ihm: Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen!

 

Liebe Gemeinde, liebe Gäste hier auf dem Marktplatz!

 

Von der Dankbarkeit ist heute die Rede. Das bietet sich bei einem Stadtjubiläum doch sehr an! Wir können sehr dankbar sein für die Entwicklung, die die Region in den 50 Jahren genommen hat. Baunatal ist, wie es immer so schön im offiziellen Deutsch heißt, eine blühende Region. Wir können dankbar sein dafür, dass in diesen 50 Jahren eigentlich alles nur besser geworden ist. Und das sage ich mit vollem Bewusstsein auch angesichts der Tatsache, dass es natürlich immer noch etwas zu verbessern gibt – Krisen gibt es immer!

Warum ich das so ausdrücklich betone?

Mit der Dankbarkeit hat es so eine besondere Bewandtnis. Sie fällt uns durchaus schwer. Und man kann sie nicht verordnen, wie man ja auch die Freude nicht verordnen kann. Davon erzählt die Geschichte von der Heilung der 10 Aussätzigen. Sie ist ja sehr klar: 10 Leprakranke werden von Jesus gesund gemacht. Sie gehen zum Tempel, zeigen sich dem Priester, und der spricht sie gesund. Aber nur einer, noch dazu einer von den Samaritanern, die als Angehörige einer Sekte galten, kehrt zu Jesus zurück und bedankt sich. Er bekommt von Jesus freilich eine merkwürdige Antwort: Dein Glaube hat dir geholfen! Wobei hat er ihm geholfen? Gesund geworden sind doch alle! Gesund, ja, aber eben nicht geheilt!

Denn der Glaube hilft uns dankbar zu sein, und dankbar sein gehört zu einen geheilten Leben. Denn Undank zerfrisst unsere Seelen. Die einen, die zu danken vergessen, haben ein schlechtes Gewissen; die anderen, die den Dank nicht bekommen, den sie verdienen, fühlen sich gekränkt und verletzt.

Der Undank ist eine Quelle von viel Gift und Streit. Dankbarkeit aber fällt uns schwer.

Weil wir Angst haben, dass uns die Dankbarkeit verpflichtet. Wenn wir einem Menschen zu Dank verpflichtet sind, dann haben wir das Gefühl, von ihm abhängig zu sein. Und das haben wir nicht so gerne, vor allem nicht wir modernen Menschen, denen ihre Freiheit über alles geht. Aber sind wir frei, wenn wir zu danken vergessen?

Und der andere Grund, warum es uns schwer fällt, dankbar zu sein: Wir müssen uns erinnern. Dankbarkeit lebt von Erinnerung! Und zwar von einer doppelten Erinnerung: zum einen daran, wie schlecht es uns ging oder in welchen Schwierigkeiten wir waren, zum anderen aber auch an die Wohltat, die uns erwiesen wurde.

Was auch typisch ist für uns Menschen: wir erinnern uns lange -  und oft ein Leben lang  - an Verletzungen und Kränkungen, die uns zugefügt worden sind. Aber Wohltaten vergessen wir sehr schnell. Wir neigen ferner dazu, das Gute, das uns zugefügt wird, als selbstverständlich zu nehmen! Das ist kein schöner Zug an uns Menschen! Und wir alle wissen, wie sehr genau das unser Klima im Miteinander vergiften kann!

 

Ich glaube, das ist eines unser größten Probleme im Moment. Wir haben ja in Deutschland eine ziemlich angespannte Stimmung, ausgelöst durch die vielen Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, aber die Stimmung war vorher schon gereizt. Der Grund dafür ist die Sorge, dass vieles von dem, was wir erreicht haben, nicht mehr so weiterbestehen wird, wie bisher. Diese Sicht der Dinge ist durchaus berechtigt, die Welt verändert sich unglaublich schnell – die Frage ist, ob wir uns deswegen Sorgen machen müssen, oder ob wir nicht lieber sagen müssen: Okay, alles ändert sich, wir müssen uns auch ändern, wenn wir wollen, dass es uns auch weiterhin gut geht. Das hat doch vor fünfzig Jahren in Baunatal auch geklappt! Denn das ist doch, was die Väter und Mütter damals erkannten: Wer nicht auf Kooperation setzt, geht in der modernen Welt unter! Nur gemeinsam können wir die komplizierten Aufgaben bewältigen, die uns die moderne Gesellschaft stellt: Weil wir doch ein Maximum an Gerechtigkeit haben wollen – darum ist die Welt kompliziert. Ungerechte Verhältnisse sind nämlich immer einfach! Und die einfachen Verhältnisse sind übrigens meistens auch ungerecht! Das Komplizierte ist der Preis für den Wohlstand der Vielen.

Und jetzt kommt die Erinnerung ins Spiel: Wir klagen auf sehr hohem Niveau! Es ging uns nie so gut wie heute, aufs Ganze gesehen. Immer wenn mir jemand mit der Klage im Ohr liegt, früher sei doch alles besser gewesen, dann frage ich gerne zurück: Meinen Sie die Zeit vor der Entdeckung des Penicillins und des Insulins? Meinen Sie die Zeit vor der Erfindung der Waschmaschine oder des Staubsaugers? Meinen Sie die Zeit vor Einführung der Demokratie und der Steuergerechtigkeit? Und, ganz konkret: Meinen Sie die Zeit, als hier in Baunatal noch ein paar mehr oder weniger kleine Dörfer ohne gut ausgebaute Infrastruktur existierten? Wir haben, gerade hier in Baunatal, wahrhaftig Grund zur Dankbarkeit. Es hat sich vieles verbessert, und wir leben hier auf einem Standard, von dem andere – übrigens sogar andere in Deutschland, da muss man gar nicht weit fahren – nur träumen können. Ganz zu schweigen von unseren Vorfahren, mit denen ich nicht einen Tag tauschen möchte. Man denke nur an die 70 Jahre Frieden, in denen diese 50 Jahre eingebettet sind!

Ich bin mir klar, dass jetzt bei vielen hier ein deutliches „Aber“ zu hören sein wird. Ich spüre es auch! Natürlich liegt vieles im Argen. Natürlich hat sich unser Leben nicht nur zum Besseren geändert. Ja, man wird sogar sagen müssen: Gerade, wenn wir dankbar zurückblicken auf das, was sich verbessert hat, können wir um so klarer, nüchterner und ohne Geschrei auf das schauen, was noch zu erledigen ist und was wirklich im Argen liegt – und auch trauern um das, was wir verloren haben. Denn nur so werden wir frei, auch wirklich zu feiern: Wenn wir dankbar auf das Erreichte blicken. Das ist der Quell der Freude, das Heilmittel gegen den Groll und die Lähmung.

Das kann man nicht verordnen, da kann ich hier lange predigen. Aber Dankbarkeit kann man üben. Und dazu gehört es eben auch, sich zu erinnern und zu erzählen, wie es war. Es leben noch genug Augenzeugen!

Und jetzt kommt der rätselhafte Satz ins Spiel, den Jesus zu dem einen sagt, der zurückgekommen ist. „Dein Glaube hat dir geholfen“ Wobei eigentlich? Der Glaube half dem Mann, sich dankbar zu erinnern an den Segen, den er empfangen hat.

Menschen können viel, aber Segen braucht es auch! Und den Mut, die Gelegenheit zu ergreifen, den günstigen Zeitpunkt zu nutzen und die Zeichen der Zeit zu erkennen. So, wie es hier vor 50 Jahren geschah! Sich regen bringt Segen – nicht weil es den Segen macht, sondern weil es den Segen ergreift und in unser Leben holt! Sich daran zu erinnern: das ist der Weg zu einem guten und heilsamen Miteinander.

Dazu will uns der Glauben, dazu will uns Jesus führen, indem er uns an die Dankbarkeit erinnert. Und so können wir als wir als Christen einen wichtigen Beitrag leisten zum Zusammenleben, zur Integration und zur Weiterentwicklung dieser Stadt! „Suchet der Stadt Bestes“, schreibt der Prophet Jeremia an das Volk Israel, das in einer fremden Stadt im Exil leben muss, Und Paulus schreibt: Seid der Obrigkeit untertan – ein viel missbrauchter Satz. Doch wer ist die Obrigkeit in einer Demokratie, wenn nicht das Volk selber? Wir, die Bürger und Bürgerinnen sind der Souverän, und das, meine Lieben, halte ich für den allergrößten Fortschritt überhaupt, an dessen Umsetzung wir weiterarbeiten müssen mit aller Kraft! Was ich hier sage, hat nichts zu tun mit der alten, elenden Vermischung von Thron und Alter, wie man früher sagte, sondern ist eine Ermutigung zum Bürgergeist, der Christen gut ansteht, weil wir dem Wohl des Nächsten verpflichtet sind! Wir dürfen nicht in einer Nische frömmelnder Vereinsmeirei hocken, sondern genau das tun, was wir gerade tun: raus auf den Marktplatz! Wir werden eine Minderheit: Das sollte uns gerade Ansporn sein, unseren Glauben zum Segen aller zu leben und nicht nur für uns selbst! Jesus hat alle 10 geheilt! Ohne Wenn und Aber!

50 Jahre Baunatal: Wir können dankbar sein dafür, dass sich vor 50 Jahren Menschen dafür eingesetzt haben, etwas für die Zukunft zu tun. Das war nicht leicht. In den zwei Jahren, die ich hier Pfarrer war, habe ich viele Geschichten davon gehört, wie mühsam das war. Es gab viele Ängste und Bedenken, viele Einwände und Abers, viele Verletzungen, und auch unterwegs ging es nicht ohne Enttäuschungen, Abschiede und Rückschlage voran. Doch vieles davon, und auch daraus sollten wir lernen, ist im Rückblick kaum noch nachvollziehbar und wirkt kleinlich oder ängstlich. Wir können, ganz konkret, dankbar dafür sein, dass mit dem VW-Werk hier Wohlstand und Vollbeschäftigung ankamen und damit ein ungeahnter Entwicklungsschub. Aber das doch nur, weil Menschen diese Gelegenheit, diesen Segen, ergriffen haben!

Menschen, die ja noch den Krieg und die furchtbaren Verhältnisse von Nazi-Zeit und Weimarer Republik erlebt haben, ja sogar die schiere Armut, wollten eine bessere Welt und sie schufen etwas bisher sehr Stabiles und Dauerhaftes. Das nötigt mir schon Bewunderung und auch Dankbarkeit ab, gerade weil ich nach vier Jahren hier immer noch ein Zugereister und quasi ein Fremder bin! Ich lebe gerne hier. Und ich bin übrigens auch sehr dankbar, wie gut hier mit all denen umgegangen wird, die hier nicht geboren sind: Es geht eben doch! Und zwar zum Wohle aller!

 

Und darum sage ich hier ein deutliches Danke an alle, die sich in den 50 Jahren und auch jetzt und in Zukunft für dieses Gemeinwesen einsetzen. Habt keine Angst vor Veränderungen, es hat vor 50 Jahren, allen Bedenken zum Trotz, in Baunatal doch gut geklappt! Lasst uns diesen Weg weitergehen! Lasst uns Gerechtigkeit und Gastfreundfreundschaft üben, denn dann kommen wir uns als Menschen nahe.

Lasst und aus einem Geist der Dankbarkeit und der Freude über das Erreichte kritisch, aber solidarisch und wertschätzend im Umgang miteinander weiterbauen an dem, was vor 50 Jahren begonnen wurde. Lasst den Geist der Undankbarkeit, des Genörgels und der uninformierten Rechthaberei nicht den Sieg davontragen! Unterstützt die, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, begleitet sie mit kritischem Wohlwollen und Eurem Gebet! Streitet um den rechten Weg, aber zankt nicht! Und vor allem: Ermuntert einander, mitzutun! Ja, ich möchte es noch konkreter sagen mit alten Wahlspruch des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy, einem gläubigen Katholiken übrigens, der einmal sagte: Frage nicht, was deine Stadt für dich tun kann, frage, was Du für Deine Stadt tun kannst! Und da gibt es immer etwas. Alles zählt, was zum Gelingen beiträgt!

So beten wir Christen nicht nur heute und hier, sondern immer, wenn wir uns versammeln: Wir beten um den Segen und geben ihn weiter! Das ist unser Beitrag und unsere Aufgabe. Darum feiern wir heute und hier Gottesdienst zum Geburtstag der Stadt: Als Zeichen der Dankbarkeit, auch für lange Jahre guter Zusammenarbeit und gelingender Ökumene und gelassenem Miteinander von Glaubenden und Nichtglaubenden, von Religionen und Weltanschauungen, von Lebensstilen und Lebensformen! Und wir laden alle ein, denen Gott etwas bedeutet, wie immer sie ihn anrufen, in dieses Gebet einzustimmen, wir sind ja nicht die einzigen, die beten. Und die, denen der Glaube fremd ist, laden wir ein, in den Geist der Dankbarkeit mit einzustimmen, denn wir sind ja nun wahrhaftig nicht die Einzigen, denen die Stadt am Herzen liegt!

Dann wird dieses Fest gelingen, dann wird dieses Gemeinwesen blühen, dann werden wir Menschen in dieser Stadt einander als Menschen begegnen. Das ist immer noch das größte Glück! Dazu helfe uns Gott mit seinem Segen. Herzlichen Glückwunsch, Baunatal, Amen.

 

Freitag, 27. Mai 2016

Predígt 1. S. n. Trin, 1. Johannes 4, 16b-21 Bleibt in der Liebe

Predigt für den 1. Sonntag nach Trinitatis, zu halten in Haddamar, Heimarshausen und Züschen.


 
1. Johannes 4, 16b.
Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.

18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.

19 Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. 20 Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht.

21 Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

 

 

Liebe Gemeinde, Schwestern und Brüder im Herrn!

 

Wenn Christen von Liebe sprechen, dann meinen sie damit nicht ein Gefühl. Sondern eine Haltung. Eine Haltung unterscheidet sich von einem Gefühl in einem entscheidenden Punkt: man kann sie lernen, einüben und ständig ausbauen.

Darum ist es kein Widerspruch, Menschen zur Liebe aufzufordern.

Trotzdem bleibt ein merkwürdiges Gefühl, wenn wir zur Liebe aufgefordert werden. Kann man das denn wirklich machen, Liebe befehlen?

Das kann man natürlich nicht. Und zwar aus einem ganz einfach, sehr banalen Grunde: Wenn ich möchte, dass Menschen die Liebe lernen, muss ich die Liebe selber auch kennen. Liebe entzündet sich an Liebe. Nur wer sich selber geliebt weiß, kann Liebe weitergeben. Eine der Quellen des Hasses, der im Moment unser Klima so vergiftet ist, dass Menschen einfach nicht wissen, nicht erfahren und erlebt haben, was Liebe ist.

Und was ist Liebe, wenn sie nicht einfach ein Gefühl der Sympathie und der Zuneigung ist? Es gibt zwei sehr schöne moderne Worte dafür: Wertschätzung und Solidarität. Das eine ist die Haltung, das andere ist die Tat.

Wir Christen können von der Liebe reden, weil der Glaube nichts anderes ist, als das feste Vertrauen darauf, dass Gott uns liebt. Und zwar ohne alle Voraussetzungen und Bedingungen. Er liebt uns, weil wir seine Geschöpfe sind. Das ist alles. Aber in diesem einfachen Satz steckt auch schon das Problem. Woher können wir das wissen?

Wir wissen es aus der Geschichte Jesu, die nichts anders ist, als eine einzige Liebesgeschichte. Die Geschichte Jesu zeigt uns, dass wir nichts so sehr fürchten, wie die Liebe. Denn die Liebe hat etwas Anarchisches. Die Liebe reisst Grenzen ein, stellt Selbstverständliches in Frage, die Liebe ist ein bisschen verrückt.

Liebe braucht Liebe, damit sie sich entzündet. Ich habe das auch erst spät begriffen. Während unserer Ausbildung hörten wir einem Vortrag von einem Suchtberater über die Ursachen der Sucht. Wir erwarteten einen schönen theoretischen Vortrag über Psychologie, Soziologie, Pädagogik und Prävention, also etwas sehr Kluges und Gelehrtes. Stattdessen fing der gute Mann an, uns eine kleine Szene vor Augen zu malen. Ein Kind malt ein Bild und läuft damit voller Stolz und Freude zu seiner Mutter.  „Mammi, ich hab dir ein Bild gemalt: das ist unser Haus“. Zu sehen sind auf dem Bild ein paar Krickelkrackel, die man mit Mühe als das erkennt, was sie darstellen sollen. Die Mutter sieht das Bild an und sagt: „Das ist aber kein Haus, das kann man ja gar nicht erkennen. Komm, ich zeige dir mal, wie man ein richtiges Haus malt.“ Sie nimmt den Stift und zeichnet ein Haus.

Eine harmlose Szene, sollte man meinen, und die Mutter hat es doch gut gemeint. Wir waren etwas geschockt. Was hat das mit Sucht zu tun?

Wir sollten uns nun für einen Moment in die Rolle des Kindes versetzen. Es malt ein Bild und will es seiner Mutter schenken. Weil es seine Mutter liebt! Darum geht es. Nicht um ein Haus. Nicht um Kunst. Nicht um Falsch und Richtig. Es geht um die Geste der Zuwendung und der Wertschätzung. Die Mutter aber sieht diese Geste der Liebe nicht. Sie wertet sie ab. Sie korrigiert das Kind. Wären wir im Kunstunterricht oder würden die beiden versuchen, zu lernen, wie man ein Haus malt, wäre das völlig in Ordnung. Aber hier geht es um etwas anderes. Das Kind wird frustriert. Es erfährt die Reaktion der Mutter als Ablehnung.

Wir waren tief betroffen. Ich spüre es noch heute. So schnell geht das also, dass wir Liebe übersehen und Menschen tief verletzen.

Der Therapeut führte uns dann vor, wohin dieses Muster führen kann. Das Kind verinnerlicht die Ablehnung. Es hat einen Vertrauensbruch erlebt. Es verliert den Halt. Den Rest kann man sich ausmalen. Am Ende wird es Halt und Stütze suchen, wo es keinen finden wird. Denn Halt finden wir nur in Menschen und in einem Glauben, der nicht bevormundet und erzieht, sondern trägt und ermutigt.

Das war natürlich eine Vereinfachung, eine Zuspitzung. Man muss jetzt als Vater, Mutter oder Erzieher nicht in Panik geraten. Aber was ich durch diesen Vortrag begriffen habe: An der Liebe müssen wir arbeiten. Wir müssen sie trainieren, sie üben. Und wie geht das? Indem wir uns in den anderen hineinversetzen. Indem wir die Frage stellen: Was würde ich jetzt gerne hören, was würde ich jetzt gerne erlebe, ja: was brauche ich jetzt? Und wir müssen lernen, auf unsere eigene Sehnsucht nach Liebe, Zuwendung und Anerkennung zu hören. Das ist der Weg zum anderen Menschen. Darin nehmen wir ihn ernst. In dem wir für einen Moment seine Stelle einnehmen, finden wir heraus, was er braucht. Und noch einfacher: wir fragen ihn! Das Fremdwort dafür heißt: Empathie. Einfühlung. Wir finden die Quelle der Liebe in uns selbst, wenn wir auf unsere Wünsche hören. Nur so können wir Haß und Gefühlskälte vermeiden. Es schönes indianische Sprichwort sagt: Wenn du wissen willst, wer ich bin, dann gehe eine Meile in meinen Schuhen.

Liebe kommt aus Liebe. Gott ist eine Meile in unseren Schuhen gegangen. Er hat in Jesus Christus unsere Not mit der Liebe erlebt. Hat gefühlt, wie es ist, angesichts von Tod, Not und Krankheit, angesichts von Angst, Haß und Verachtung zu leben. Und er setzte noch größere Liebe dagegen. Die Auferweckung Jesu von den Toten ist der größte Liebesbeweis, den er uns Menschen jemals entgegengebracht hat. Wir können aus dieser Liebe leben. Mit ihr fängt es an.

Wenn es denn so einfach wäre.

Ich habe vor einigen Wochen syrische Flüchtlinge kennengelernt. Sie haben mir erzählt, woher sie kommen und was sie erlebt haben. Es war kaum zu ertragen. Unvorstellbar für mich, was es heißt, geliebte Menschen durch Krieg zu verlieren, in die Fremde zu gehen, wo keiner meine Sprache spricht, unvorstellbar für mich, was es heißt, in ein Land zu kommen, wo Menschen mich verachten und mir misstrauen, nur weil ich ein Fremder bin. Was mir vorher im Kopf schon klar war: dass wir uns um die Flüchtlinge kümmern müssen, wurde mir jetzt ein Anliegen. In der Begegnung von Mensch zu Mensch wurde aus einem theoretischen Gedanken eine ganz praktische Sache und ich spürte, dass ich mich dem nicht entziehen kann. Aber was tun? Die rettende Frage, die mich aus der inneren Not herausholte, fiel mir dann – und ich sage mit voller Absicht: Gott sei Dank!- noch rechtzeitig ein, weil ich an diesen Vortrag von dem Suchtberater denken musste. Ich frug: Was brauchst du jetzt? Und die Antwort war ganz einfach: Alles, was sie in diesem Moment brauchten, ist für mich machbar und gar nicht schwer: „Üben Sie mit uns Deutsch sprechen. Wir verstehen nicht, wie das mit den Umlauten funktioniert“. Also üben wir jetzt Ö, Ü und Ä richtig auszusprechen. Mehr braucht es gar nicht. Ich erzähle das hier nicht als Heldengeschichte, sondern als eine Rettungsgeschichte: ich bin davor bewahrt worden, mich der Situation mit irgendwelchen klugen Geschwätzen zu entziehen, weil ich mich an eine kluge Geschichte von der Liebe erinnerte, die wiederum an das Evangelium erinnerte. Dafür bin ich dankbar, und auch ein wenig erschrocken darüber, dass ich mich vor der Antwort. ja vor den fremden Menschen selber gefürchtet habe. Und jetzt: Ich lerne hochinteressante Menschen kennen! Und im Gegenzug helfen sie mir, ein wenig Arabisch zu lernen.

Mal sehen, was draus wird.

Gott hat uns zuerst geliebt, damit wir in der Liebe bleiben. Die Worte aus der Schrift, die wir heute hörten, wollen uns daran erinnern. Um mehr geht es nicht, aber auch nicht um weniger: Übt die Liebe, dann bleibt ihr auch in der Liebe.

Übrigens, zurück zu der Geschichte von Mutter und Kind.

Was hätte die Mutter antworten sollen? Oh, danke, mein liebes Kind. Das hast du schön gemacht, ich freue mich sehr.

In zwanzig Jahren wird das Kind dann vielleicht auch ein richtiges Haus malen können. Aber spielt das eine Rolle für die Liebe?

Amen.

Predigt zu Pfingsten: Der Geist und das Netz. Organisierte Liebe

Kleine Vorausbemerkung: Die folgende Predigt wurde für das "Werkstatt-Premium"-Angebot des Bergmoser und Höller-Verlages geschrieben, ein Service, der zeitnah (am Freitag vor dem Sonntag) zu einem aktuellen Thema den Perikopentext auslegt. Insofern ist diese Predigt jetzt "verbraucht" und ich darf sie hier zur Diskussion stellen; freilich liegt das Copyright immer noch beim Bergmoser und Höller-Verlag.


 
 
Predigt: Apg 2,1-18 (Luther 84)

Das Pfingstwunder

2 1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. 2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, 4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. 5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. 7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? 8 Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? 9 Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, 10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, 11 Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden.

 12 Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? 13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.

14 Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, und lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen! 15 Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage; 16 sondern das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist:  17 »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; 18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.

Amen.

 

 

 

Liebe Gemeinde!

 

Pfingsten ist das Fest, an dem die Grenzen fallen. Der Glaube, der hier entzündet wird, überwindet alle Barrieren von Sprache und Herkunft und führt die Menschen zu einem Volk zusammen in gemeinsamer Begeisterung für Gott. Wir hören, wie sich die Jünger und Jüngerinnen Jesu wie gewohnt versammeln, um zu beten, zu singen und sich ihres noch ganz jungen, ganz neuen Glaubens gegenseitig zu versichern. Noch ist es eine kleine, verschworene und sich geschlossene Gemeinschaft, die ihren neuen Gottesdienst etwas verborgen in einer Ecke des Tempels feiert: vermutlich auch, weil sie Angst hatten, denn dieser neue Glaube an den auferstandenen Christus war vielen in Jerusalem nicht geheuer. Sie beten zu einem, der als Gotteslästerer hingerichtet wurde. Sie behaupten, mit ihm sei zwischen Gott und Mensch Frieden geschlossen worden, weil Gott den von den Menschen getöteten Jesus von den Toten auferweckt hat. Sie teilen alles miteinander, und sie beachten auch die alten Ordnungen nicht mehr: Herren und Sklaven, Frauen und Männer feiern miteinander. 50 Tage nach den Ereignissen von Ostern und Karfreitag waren sie nun also wieder zusammen. Es war ein jüdischer Festtag – Pfingsten ist von seiner Herkunft her ein jüdisches Fest. Darum war die Stadt voll von Menschen und es herrschte eine festliche Stimmung, auch der Tempel war gut besucht. Menschen aus aller Herren Länder waren dort versammelt, denn die Juden und die, die dem Judentum nahestanden, waren damals schon über die ganze Welt verstreut und sprachen alle möglichen Sprachen. Die Verständigung war schwierig! Und da geschah es: Die Luft, so erlebten es die Menschen, die dabei waren, war voller Brausen und plötzlich fuhr der Geist Gottes in sie. So stark war das Erlebnis, dass sie geradezu sehen konnten, was geschah: Wie Feuerzungen leuchtet es über den Köpfen. Und dann fangen sie an zu beten und zu singen. Und jetzt geschah das eigentliche Wunder: Alle verstanden sich. Alle verstanden, was da gebetet und gesungen wurde, obwohl jeder und jede in ihrer Sprache betete und sang. Es war eine Begeisterung, wie wir sie nur aus ganz wenigen Momenten unseres Lebens kennen. Man hat unwillkürlich ein Fußballstadion vor Augen, oder ein Rockkonzert: Menschen, die in einem Geiste miteinander versammelt sind. Das Erschütternde und Begeisternde an dieser Erfahrung war, dass damit die alten Grenzen von Sprache und Herkunft aufgehoben waren. Alle Menschen, die dabei waren, erfuhren sich als eine Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern, und alle spürten: Jetzt beginnt etwas Neues! Die Kirche war geboren. Natürlich nicht die Kirche als Institution mit Priestern, Bischöfen und Gemeinden, das sollte erst später allmählich wachsen. Aber die Kirche als das, was wir auch im Glaubensbekenntnis sagen: Die Gemeinschaft der Heiligen. Das war der Moment, wo der alte Glaube Israels an den Gott, der in die Freiheit führt, anfing, sich unter dem Namen Jesu Christi in die ganze Welt auszubreiten. Das hatten die Propheten schon vorausgesagt: Dieser Tag wird kommen! Das, was die Bibel über den Turmbau von Babel erzählte, verkehrte sich in sein Gegenteil. Damals, so berichtet die alte Erzählung aus dem ersten Buch Mose, hatten die Menschen noch eine Sprache und waren sich einig. Aber sie nutzten diese Einheit schlecht: Sie taten sich zusammen und wollten, im Bewusstsein ihrer Kraft und ihrer Gemeinschaft, einen Turm bauen, der bis an den Himmel reicht. Dem schob Gott einen Riegel vor. Die Menschen sollten Menschen bleiben und nicht wie Gott werden. Und so verwirrte er ihre Sprache, dass sie sich nicht mehr verständigen konnten. Und damit brachen auch ihre Träume von einem Weltreich zusammen, und die Menschen wurden fortan in die ganze Welt verstreut. Wie so oft erzählt diese alte Geschichte im Gewand eines Mythos eine einfache Wahrheit. Der Hochmut der Menschen führt am Ende dazu, dass Ihre Einigkeit verloren geht. Heute aber, am Tage des Pfingstfestes, erleben sie, wie Gott sie wieder zusammenführt. Der alte Traum von der gemeinsamen Welt kann wieder geträumt werden. Zumindest an einem Ort sprechen alle eine Sprache: Wenn sich die Menschen versammeln, um Gott zu loben und zu preisen. Das war ein nur ein Anfang, aber immerhin ein Anfang.

Wir träumen diesen Traum immer noch. Und wir träumen ihn nicht nur als einen frommen Traum. Längst ist unsere Welt viel enger zusammengerückt. Vor allem das Internet hat uns auf eine Art und Weise miteinander verbunden, die einem auch als ein schieres Wunder vorkommen kann. In dieser Woche hat die Bundesregierung beschlossen, dass freier Internetzugang in der Öffentlichkeit auch für private Anbieter möglich ist. Das war bisher mit einigen Schwierigkeiten verbunden, so dass wir gerade in Deutschland vom freien Zugang zum Internet stellenweise abgeschlossen waren. Das ist aber nicht mehr zeitgemäß. Nun ist der Weg frei, das Internet noch für viel mehr Menschen an noch mehr Orten und zu allen Zeiten zugänglich zu machen. Die Welt steht uns offen wie noch nie. Das macht vielen Menschen auch Angst. Sie fragen sich, ob das nicht doch Ausdruck desselben Wahnes ist, der zum Turmbau zu Babel führte, und viele reagieren darauf auch, wie die Zuschauer im Tempel: Die sind ja verrückt, die sind ja betrunken, das ist ja Spinnerei. Aber man kann doch auch sagen: Mit dem Internet sind wir dem Menschheitstraum ein wenig näher gekommen, doch eine Menschheit aus Menschen zu sein. Denn das weltweite Netz verbindet Menschen miteinander, die sonst nie in Kontakt kämen. Wie bei jeder Technik liegen Fluch und Segen ganz nah beieinander. Es kommt darauf an, wie wir es nutzen und was wir daraus machen. Genau wie mit der Gabe des Geistes, den Gott über uns ausgegossen hat. Die Kirche ist auch oft falsche Wege gegangen, hat auch oft versucht, den Geist zu dämpfen, hat doch auch Menschen ausgeschlossen und aus der Gabe der Freiheit einen Zwang gemacht. Doch das, was Jesus ursprünglich einmal meinte, bricht sich immer wieder Bahn. Glaube, Liebe und Hoffnung sind doch stärker als Enge, Angst und Tyrannei. Denn der Gedanke, dass wir alle Menschen sind, die in einem Geist miteinander verbunden sind, ist ein starker Gedanke. Das Internet führt uns als Menschen auch näher zusammen, wenn wir es nur richtig nutzen. Sind nicht viele Verbrechen in den letzten Jahren gerade über das Internet ans Tageslicht gekommen, weil sich das Netz jeder Kontrolle, jeder Regulierung entzieht? Weil Menschen hier ganz unmittelbar, ohne Filter und ohne Bevormundung ihre Meinung kundtun können und alle am Wissen aller teilhaben können? Freilich: Das Internet ist auch ein Ort, wo Hass, Lüge und Verleumdung ihren Platz haben. Es ist gar keine Frage, dass das Internet an der Radikalisierung, die im Moment bei uns herrscht, auch seinen Anteil hat. Und doch: Es hat ja Gründe, warum gerade die Mächtigen und Gewaltigen in dieser Welt, vor allem die, die mit Gewalt, Lüge und Terror herrschen, sich vor dem Internet fürchten: Weil es auch ein Ort der Freiheit ist, der Völker und Menschen verbindet. Ein bisschen, nur als Vergleich, ist das Internet wie Pfingsten: Eine Möglichkeit, dass wir als Menschen enger zusammenrücken.

Und darum kommt es darauf an, wie wir es nutzen, zum Segen oder zum Fluch. Letzte Woche hielt auf der großen Internetmesse re publica die türkische Journalistin Kübra Gümüşay einen Vortrag, der viele Menschen sehr bewegt hat. Sie verkündete, dass wir dem Hass und der Ausgrenzung im Netz eine Offensive der Liebe entgegensetzen müssen. Das Stichwort heißt: „Organisierte Liebe“. Auch dafür kann das Netz nützlich und gut sein: dass die, die der Liebe eine Chance geben wollen, sich weltweit vernetzen und dem Hass etwas entgegensetzen.

Ist das nicht auch der Geist von Pfingsten? Ist das nicht das, was da in Jerusalem vor 2000 Jahren begann und bis heute, durch alle Verwerfungen und Verzerrungen hindurch, auch das große Anliegen des Glaubens ist? Eine Offensive der Liebe? Petrus gibt in seiner Predigt am Ende des Tages genau dieser Hoffnung Ausdruck: Dass die Jugend, die Generation, die nach ihm kommt, im Geist vereint wird und neue Wege sucht, das Leben zu gestalten, damit die alte Hoffnung auf eine in Liebe geeinte Menschheit nicht zum Erliegen kommt, sondern völkerverbindende Kraft entwickelt. Das ist, was wir an Pfingsten feiern: Die von Gott organisierte Liebe in einer Welt voller Hass und Spott. Das ist nach wie vor eine starke Hoffnung und eine starke Verheißung. Um diesen Geist sollten wir als Kirche unablässig bitten, eingebunden in ein Netz von Gebeten. So kann sie ein besserer Ort werden als sie ist, weil wir mit jedem Gebet dem Geist Raum geben. Das ist der alte Traum und er ist so aktuell wie schon vor 2000 Jahren. Wir sollten ihn feiern und die Begeisterung für diesen Gedanken tief in unser Herz lassen, damit in ihm, wie es in einem alten Hymnus heißt, das Feuer der göttlichen Liebe entzündet wird, in dem die Völker aller Zungen und Sprachen versammelt werden. Was für eine schöne Hoffnung!

Amen.

Fürbitte

Herr, unser Gott, führe die Menschen aller Zeiten und Völker zusammen im Geist der Gemeinschaft.

Entzünde in uns das Feuer des Glaubens, damit wir uns erkennen als eine Menschheit, als deine geliebten Kinder.

Den Mächtigen dieser Welt schenke Weisheit und Vernunft, dass sie bei allem, was sie tun und entscheiden, nach Deinen Willen fragen und die Not der Menschen sehen.

Den Völkern dieser Welt schenke Besonnenheit und Geduld, dass sie aufeinander zugehen im Geist der Freundschaft und guter Nachbarschaft.

Wehre dem Ungeist von Hass und Ausgrenzung, von Krieg und Vernichtung.

Den Verlorenen und Versprengten, denen, die auf der Flucht sind, die in der Fremde leben müssen, die ihre Wurzeln verloren haben, schenke eine starke Hoffnung und Menschen, die sie tragen und begleiten.

Erwecke in den Religionen der Welt den Geist der Liebe und der Gemeinschaft, dass sie gemeinsam Boten der Barmherzigkeit werden nicht Propheten des Hasses.

Den Verwirrten, Radikalisierten und innerlich Verwüsteten weise Wege in das Leben, dass sie sich abkehren können von Hass und Verzweiflung und zum Frieden finden.

Deiner Kirche schenke Stärke des Glaubens und den Mut, Deine gute Nachricht zu verkündigen. Erhalte Deine Gemeinde bei Deinem Wort und mache uns zu begeisterten Boten Deiner Gnade.

Den Kranken und Sterbenden stehe bei, dass sie in Geduld ihre Lasten tragen, dass sie Heilung finden, und wenn es denn keine gibt, dass sie getröstet den letzten Weg gehen.

Komm, Heiliger Geist, und entzünde in uns das göttliche Feuer deiner Liebe!

 


 

Samstag, 30. April 2016

Allein den Beter.

Allein den Betern 

Allein den Betern kann es noch gelingen
Das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten
Und diese Welt den richtenden Gewalten
Durch ein geheiligt Leben abzuringen.

Denn Täter werden nie den Himmel zwingen:
Was sie vereinen, wird sich wieder spalten,
Was sie erneuern, über Nacht veralten,
Und was sie stiften, Not und Unheil bringen.

Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt,
Und Menschenhochmut auf dem Markte feiert,
Indes im Dom die Beter sich verhüllen,

Bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt
Und in den Tiefen, die kein Aug’ entschleiert,
Die trockenen Brunnen sich mit Leben füllen.

Reinhold Schneider

Samstag, 26. März 2016

Predigt Ostern 2016, 1. Kor 15, 1-10, Züschen und Heimarhausen.


1.Kor 15,1-11

15 1 Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht, 2 durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr's festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr umsonst gläubig geworden wärt.

3 Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; 5 und dass er gesehen worden ist von Petrus, danach von den Zwölfen.

6 Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. 7 Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln.

8 Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. 9 Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.

10 Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. Es sei nun ich oder jene: so predigen wir und so habt ihr geglaubt.

Liebe Gemeinde, Schwestern und Brüder im Herrn

 

Was Paulus hier seiner Gemeinde mitteilt, gilt auch noch für uns. Wie entstand, wie entsteht der christliche Glaube, unser Glauben? Er entsteht durch die Begegnung mit der Botschaft vom auferstandenen Christus. Und was hat zu bedeuten? Er bedeutet das Ende der Gewalt und den Anfang der Liebe!

Was ist geschehen an jenem Morgen, drei Tage nach dem Kreuzestod? Was hat hat die Menschen zum Glauben an den Auferstandenen gebracht? Das leere Grab war es nicht: die Frauen liefen davon, wie wir hörten, sie waren erschrocken, und das kann man gut verstehen.  Es muss noch mehr geschehen sein, dass die Menschen zum Glauben an den Auferstandenen gekommen sind, etwas muss doch geschehen sein, dass wir bis heute Ostern feiern und Sonntag für Sonntag die Auferstehung verkündigen!

Paulus berichtet es was geschehen ist. Er bringt in seinem Brief an die Korinther, die genau diese Frage hatten, ein altes Glaubensbekenntnis. Das älteste, das wir haben: ein Stück christliches Urgestein.

Jesus Christus, der Gekreuzigte, ist gesehen worden von Petrus, danach von den Zwölfen, dann von allen anderen Aposteln, schließlich von 500 und ganz zum Schluss auch von ihm, Paulus selber.

Der christliche Glaube entstand, weil die Jüngerin und Jünger dem auferstandenen Herrn begegnet waren und durch diese Begegnung von innen heraus verwandelt worden sind.  

Es dauerte fünfzig Tage, es dauerte bis Pfingsten, bis alle verstanden hatten, was geschehen ist: Gott hat das Geschehen vom Karfreitag überwunden. Er hat den getöteten Christus zu sich geholt, ihm das ewige Leben geschenkt, seinen Mördern vergeben und ein neues Kapitel in der Geschichte von Gott und Mensch aufgeschlagen mit der Überschrift: Von der Liebe!

Das ist es, was geschah: Menschen wurden durch diese Begegnung, wie es ja auch bei Paulus war, im innersten berührt und verwandelt. Aus ihrer Trauer, aus ihrem Entsetzen und ihrem Schmerz wurde Freude, Dankbarkeit und sogar Jubel. Mitten in einer Welt, die in Dunkel und Finsternis versunken schien, leuchtet auf einmal ein helles Licht.

Und daraus folgt eine einfache Botschaft, die wir in diesen Tagen besonders klar hören und bekennen müssen: Gewalt im Namen Gottes ist Gotteslästerung! Christus wurde im Namen Gottes getötet und gekreuzigt, es war ein religiöser Mord, wie wir sie in diesen Tagen dauernd erleben, aber Gott hat das nicht gelten lassen. Wer Hass, Verachtung und Ausgrenzung predigt und lebt, hat den Ruf des Auferstandenen noch nicht verstanden, selbst wenn er ihn gehört hat. Jesus Christus hat alle Grenzen gesprengt: Darum gibt es auch für den Glauben keine Grenzen. Wenn Menschen sich in die Luft sprengen, weil sie meinen, damit Gott einen Gefallen zu tun, dann ist das nicht nur unter menschlichem Gesichtspunkt abscheulich. sondern ein Greuel und ein Frevel, und diese Menschen können einem nur leid tun, weil sie im Namen eines Hirngespinstes von Religion einem Götzen nachlaufen!

Meine Lieben: von dieser Barmherzigkeit Gottes hat auch der Islam gehört. Die erste Sure des Koran nennt Gott den Allerbarmer und den Barmherzigen! Auch Moslem hören davon, dass Gott die Toten auferweckt und zu sich in sein Reich holt. Aber genau wie das Christentum mit seiner Geschichte von Gewalt, Unterdrückung und Massenmord, haben das nicht alle so recht verstanden. Nehmen wir das beim Wort: Stoßen unsere moslemischen Mitmenschen nicht weg, weil einige von Ihnen fanatisch und verblendet sind,  sondern laden wir sie ein. mit uns gemeinsam diese Barmherzigkeit Gottes zu feiern! Wir wissen aus unsere Geschichte, wohin es führt, wenn man Barmherzigkeit mit Rache verwechselt, wohin es führt, wenn man den Glauben missbraucht, um Menschen einzuschüchtern, klein zu machen und zur Rache aufzustacheln. Wie furchtbar kann ein frommer Mensch sein, der die Barmherzigkeit vergessen hat und nicht merkt, dass er voll ist von Hass und Rache! Auch das Christentum hat seine Geschichte von Feuer und Schwert, und das sollte uns demütig machen!

Paulus selbst war auch voller Hass und Rache auf die ersten Christen, weil er gefangen war in seinem engen Glauben an einen zornigen Gott und sich für sein Werkzeug hielt. Damit war er auch meilenweit entfernt von dem, was sein jüdischer Glaube ihm eigentlich hätte sagen sollen! So wurde er eines Besseren belehrt: Durch Jesus Christus selbst. Darum schreibt er: „Zuletzt begegnete Christus auch mir, als einer Nachgeburt“, sozusagen in letzter Minute. Jeder hat die Chance, von Gott gerufen zu werden, jeder hat die Chance, aus dem selbstgeschaufelten Grab von Hass und Angst herausgerufen zu werden. Das ist der Kern der österlichen Botschaft. Darum lasst uns nicht müde werden, diese Botschaft zu verkündigen. Nicht wir bekehren und ändern die Menschen, nicht wir wecken Tote auf, nicht wir heilen Wunden und richten zerschlagene Herzen auf, sondern Gott selber tut es – er tut es aber nicht ohne uns: Wir sind seine Zeugen! Was für ein Vertrauen er in uns hat!

Geben wir als Christen also ein Zeugnis dafür, dass Gottes Barmherzigkeit allen Menschen, allen Geschöpfen zugewandt ist, vertrauen wir als Jüngerinnen und Jünger Jesu darauf, dass sein Wort Kraft hat: dann werden wir gegen die Mächte des Todes etwas in der Hand haben, was stärker ist als der Tod: Die Liebe. Gegen alle Verachtung, gegen allen menschengemachten Tod, gegen alle Bomben, Kriege und Kreuze rufen wir: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Es ist unsere einzige Chance, dem Schrecken standzuhalten und den Frieden in die Welt zu bringen. Es ist unsere einzige Chance, aus der Verwirrung unseres Verstandes herauskommen zur Klarheit des Herzens: Jesus Christus der Auferstandene ist das Ende der Gewalt.

Der christliche Glaube entstand, weil Menschen dem Auferstandenen begegneten. Gestern, heute und morgen, überall, wo seine Botschaft verkündigt wird in Wort und Tat und Sakrament, wie wir es gerade jetzt tun im Auftrag Jesu Christi, der uns zuruft: Ich lebe, und ihr sollt auch leben! Das ist Ostern: grenzenlose, grenzenüberwindende Hoffnung! Amen