Montag, 21. Juli 2014

Familiengottesdienst zum Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“, Altenritte, 20.7.2014, Auftakt Sommerfest.


Familiengottesdienst zum Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“, Altenritte, 20.7.2014, Auftakt Sommerfest.

Text der Lesung, als freie Erzählung mit Filztafel: Der verlorene Sohn, Lk 15.

Anspiel der Konfirmanden:

Kupski: Neulich auf der Konferfreizeit: Nachts blättert Vivienne im Gesangbuch.

K1: Oh, hier habe ich ein schönes Lied gefunden:

Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben;

K2: Den Sommer finde ich auch ganz toll: Da ist es warm, ich kann schwimmen gehen, ich kann mich sonnen, es gibt sechs Wochen Sommerferien, endlich keine Schule! Der Sommer ist meine Lieblingsjahreszeit.

K3: Naja, mir ist es jetzt aber viel zu heiß. Da habe ich nicht so viel Freude, sondern suche nur ein kühles Plätzchen. Gut, gegen einen Besuch im Schwimmbad habe ich auch nichts, aber immer dieser Sonnenbrand!

K2: Ich mag die Wärme. Im Sommer ist alles viel einfacher.

K3: Dann hast du ja schon Freude gefunden! Eigentlich ist es ja auch schön, rauszugehen. Die Blumen blühen so schön und ich sehe so gerne Schmetterlinge. Und einige Büsche riechen so gut. Aber was hat Gott damit zu tun?

K2: Der hat doch die Welt geschaffen, das haben wir doch heute in der Bibel gelesen: An sieben Tagen schuf Gott Himmel und Erde. Und es war sehr gut, so heißt es.

K1: Kann ich mal weiter vorlesen?

K2: Wir haben heute schon den ganzen Tag gesungen und gebetet und in der Bibel gelesen, jetzt reichts mal.

K3: Ich will jetzt mal endlich weiterlesen, das ist ein total spannendes Buch (hochhalten)

K1: nee, hört mal zu, das Lied geht noch weiter:

schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.

K2: Eigentlich haben sich ja nicht die Gärten geschmückt, das sind doch die Menschen. Die Menschen jäten Unkraut und pflanzen und säen, Die mähen den Rasen und beschneiden die Bäume, damit sie gut wachsen können. Die düngen und gießen und ernten das Gemüse.

K3: Und machen viel kaputt, begradigen die Flüsse, dass es andauernd Überschwemmungen gibt, zu viel Dünger, der das Essen vergiftet, die Luft wird verpestet durch Autos und Fabriken. Das machen die Menschen auch. Da freue ich mich nicht so! Wenn Gott die Welt geschaffen hat, warum ist es dann nicht perfekt?

Kupski klopft an: Gute Nacht!

K2: Herr Kupski, sagen Sie doch mal: Wenn Gott die Welt geschaffen hat, warum ist sie dann nicht nur schön?

K 3: Ja, das möchte ich auch wissen. Es gibt viel Schönes hier, aber auch viel Schreckliches.

 

 

Liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde, Schwestern und Brüder im Herrn!

 

 

Eine wichtige Frage stellt ihr da: Wenn Gott die Welt geschaffen hat, warum ist sie dann nicht nur schön? Es gibt viel Schönes hier, aber auch viel Schreckliches.

 

 

Wie lautet die Antwort? Sie steckt in der Geschichte vom verlorenen Sohn. Es mag sich mancher gefragt haben, was die wohl mit dem Thema zu tun hat: Geht es heute nicht um das schöne Lied „Geh aus mein Herz, und suche Freud?“. Nun, es ist im Grunde ganz einfach: der junge Mann zog aus, um sein Glück zu suchen. Und er scheiterte, weil er das falsche Glück suchte. Und er wurde gerettet, weil sein Vater ihn aus reiner Liebe wieder aufnahm. Der junge Mann suchte das Glück von Geld, Erfolg, Ruhm und Spaß – und er fand am Ende, nach einem Weg in den Abgrund und die tiefste Demütigung, etwas ganz Anderes. Die Freude der Vergebung, die Freude einer unbegreiflichen Liebe, die nicht nach Schuld fragt, sondern sich einfach freut, wenn ein Mensch den Weg zurück findet. Für mich ist nach wie vor das Bewegendste an der Geschichte die kleine Szene, wo der Vater auf den Sohn zuläuft, als er ihn kommen sieht. Denn wisst ihr, was das bedeutet? Dass der Vater jeden Tag in der Tür stand und auf den Horizont schaute, ob und wann der Sohn wiederkommt. Das ist Liebe: sie lässt den anderen gehen, aber sie gibt ihn nicht auf!

Denn zur Liebe gehört die Fähigkeit, dem anderen die Freiheit zu geben. Genau das tut der Vater: er lässt seinem Sohn die Freiheit der Entscheidung. Und der Sohn entscheidet sich – und läuft in die Irre. Darum, meine Lieben, ist die Schöpfung, wie wir sie erleben, auch ein Ort des Schreckens, der Irrtums, des Schmerzes und des Todes. Sie sind der Preis der Freiheit. Weil wir uns entscheiden können und dürfen, machen wir Fehler, oft fatale, schlimme Fehler. Wir haben die Freiheit, auf der Suche nach dem Glück schlimmstes Unheil anzurichten. Heute ist der 20. Juli: vor 70 Jahren hat eine Gruppe von mutigen Männern versucht, den Diktator Adolf Hitler zu töten. Das hat nicht funktioniert, die Attentäter wurden hingerichtet, ihre Familien verfolgt. Warum ich darauf komme? Fast ein ganzes Volk war in die Irre gelaufen, weil es sein Glück suchte, weil es auf Versprechen und Verheißungen reingefallen war – und auf diese Weise ein Unheil über die Welt brachte, wie es in der Geschichte der Menschheit ohne Beispiel ist. Auch einige der Attentäter waren anfangs Bewunderer von Adolf Hitler, träumten auch von deutscher Herrlichkeit und Wiedergutmachung für die Schmach, die Deutschland nach dem ersten Weltkrieg vermeintlich und wohl auch in manchem tatsächlich erleben musste – sie merkten, zu spät, wie wir heute wissen, dass das ein Unheilsweg war. Und man beachte: Der Weg der Lösung des Problems war wieder ein Mord! Die Welt kann ein schrecklicher Ort sein, weil wir die Freiheit haben, unser Handeln selber zu bestimmen. Die Männer des 20. Juli sind Helden, weil sie sich tapfer entschlossen haben, ein größeres Übel durch ein kleineres Übel aus der Welt zu schaffen: Sie machten Gebrauch von der Freiheit. Und zahlten einen hohen Preis. Wir sollten sie in Ehren halten – sie glaubten an das Gute in der Schöpfung.

Die Bibel erzählt davon, wie die Menschen aus dem Garten Eden, aus dem Paradies vertrieben worden sind. Gott hat die Menschen, so wird erzählt, in einen wunderbaren Garten gestellt, in dem das Leben ganz auf Frieden und Koexistenz ausgerichtet war. Wir alle tragen dieses Bild von Paradies tief in uns. Und weil der Mensch das einzige Tier ist, dass Freiheit genießen darf, gab Gott ihnen ein Gebot, damit die Freiheit auch sichtbar wird: Freiheit ist nur dort, wo die Möglichkeit besteht, etwas falsch zu machen. Esst nicht vom dem Baum in der Mitte des Gartens, sonst müsst ihr sterben! Es ist der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse – ihr seid dem nicht gewachsen! Nur Gott darf davon essen. Wir wissen, wie es kam: Die Menschen aßen davon, erst Eva, dann Adam. Sie machten von ihrer Freiheit Gebrauch. Es war ihre Entscheidung. Und sie führte ins Unglück. Fortan, so wird trotz aller Märchenhaftigkeit der Geschichte beben doch sehr wahr und sehr eindrücklich erzählt, ist die Schöpfung angegriffen und nicht mehr in Ordnung. Der Acker wird für Adam ein Ort der Qual und der Last, Kinderkriegen wird für Eva lebensgefährlich, zwischen Mensch und Tier herrscht Feindschaft und an die Stelle der Liebe tritt das Streben nach Macht. Das ist, was wir die Sünde nennen. Und das spiegelt sich in der Geschichte vom verlorenen Sohn wieder: Er macht von seiner Freiheit gebrauch, aber weil er dabei das Gebot Gottes nicht achtet und sein Geld nicht zum Wohle des Nächsten einsetzt, muss er scheitern. Aber, und das ist ja das, wozu uns die Geschichte ermutigen will: er macht auch von seiner Freiheit Gebrauch, einen Schlussstrich zu ziehen und sein Leben zu ändern. Er erinnert sich daran, wie gut es ihm beim  Vater ging. Er schämt sich, wie sich Adam und Eve schämten, aber er verkriecht sich nicht vor Scham in der hintersten Ecke, sondern er steht auf und geht heim. Ein Rest von Vertrauen war noch in ihm wach. Und er sollte nicht enttäuscht werden. Ganz im Gegenteil: So wie Adam und Eva eben nicht sterben mussten, sondern leben durften, wenn auch unter verschärften Bedingungen, auf Bewährung, wenn man so will, so wird auch der Sohn vom Vater in die leibenden Arme genommen: ohne alle Bedingungen, einfach so. Denn so ist die Liebe: einfach so!

Nichts anderes ist Glauben, und von nicht anderem singt Paul Gerhardts Lied: Auf diese Liebe Gottes zu vertrauen. Die Schöpfung ist, weil wir Menschen unsere Freiheit eben auch zum Bösen gebrauchen, ein Ort der Unordnung geworden, aber Gottes Liebe bleibt. Der junge Mann sucht sein Glück, und mit Schmerzen lässt der Vater ihn ziehen, doch er ist, schon als er ihn ziehen lässt, bereit, ihn wieder aufzunehmen. Wo wir Menschen, wenn wir ehrlich sind, mit Zorn, Wut oder gar schierer Verachtung reagiert hätte, wie der ältere Bruder, reagiert der göttliche Vater mit Freude, ja mit ausgelassener Freude. Deswegen ist übrigens der ältere Bruder in der Geschichte so wichtig: Er ist wie wir. Er hält es nicht gut aus, dass Gott gnädig ist. Er hätte doch lieber, dass der jüngere Bruder bestraft wird. Er ist, man muss es leider sagen, aus der Sicht Gottes, voller Missgunst: Welches Unrecht geschieht ihm denn? Er lebte doch in der Sicherheit und der Ruhe des heimischen Herdes, er wählte eben den Weg der Sicherheit. Geschieht ihm ein Schaden? Siehe, mein Sohn war Tod, jetzt lebt er wieder, sagt der Vater und beschämt den älteren Bruder. Auch er soll zur Freude geführt werden: Manchmal brauchen wir Menschen dazu einen deutlichen Anstoß.

Und genau das macht Paul Gerhardt mit seinem fröhlichen Leid. Er erinnert uns daran, übrigens mitten im dreißigjährigen Krieg! – dass der wahre Ort der Freude bei Gott zu finden ist und das irdisches Glück nur sehr vorläufig ist. Darum wird ihm die Natur zur Schöpfung: Er sieht, weil er auf Gott vertraut, den schönen Garten, er sieht die Harmonie und die Freude, er sieht durch die Natur mit all ihren Grausamkeiten und Gemeinheiten hindurch, er sieht in der Natur so etwas wie ein Echo der Schöpfung, zu der Gott einst gesagt hat: und siehe, es war sehr gut!  Wie kommt er dazu? Er kommt dazu, weil er auf das vertraut, was Jesus Christus für uns getan hat: Der nämlich führt uns in die neue Freiheit der Kinder Gottes. Darum erzählt uns Jesus die Geschichte vom verlorenen Sohn. Denn Jesus Christus brachte etwas in die Welt, was vorher so nicht da war: die Hoffnung! Davon singt Paul Gerhardt nämlich: von der Hoffnung! Freiheit kann nur dann richtig gebraucht werden, wenn die Hoffnung dabei ist – die Hoffnung, dass Gott das, was wir anfangen, zu einem guten Ende führen wird – so wie es beim verlorenen Sohn am Ende ja auch war. In der Tat: Glauben heißt, auf das Happy End vertrauen. Darum sind bei den Paul-Gehardt-Liedern die letzten Strophen immer die wirklich schönen, und es ist fast ein bisschen schade, dass wir sie so selten singen: und darum singen wir jetzt auch gleich die Strophe 9-12, und ganz am Ende erst die erste und letzte Strophe.

Ich weiß: das war jetzt keine einfach Antwort auf eure einfache Frage. Aber der Glaube ist auch nicht dazu da, die Welt einfacher zu machen. Denn die einfachen Antworten sind selten die richtigen: sie enden oft in Gewalt und Ungerechtigkeit. Der Glaube will uns helfen, mit der komplizierten Welt zurecht zu kommen, in dem er uns Mut machen will: Und wenn Du auch bei den Schweinen hockst, wie der jüngere Bruder, es gibt den Weg zurück: trau Dich. Und wenn Du dich auch ungerecht behandelt fühlst: Du bist eingeladen! Und wenn Dir die Welt auch ein Ort des Schreckens ist: Sie ist Gottes gute Schöpfung. Gebrauche mutig deine Freiheit: vertraue nicht auf das, was dir als Glück erscheint, vertraute auf die Freude, die aus Gott kommt und einen ganz einfachen Namen hat: Glaube, Liebe, Hoffnung.

Das feiern wir heute, wenn wir Sommerfest feiern: Gottes Gute Schöpfung. Jeder Sommertag ist eine Erinnerung daran, wie Gott die Schöpfung gemeint hat. Es ist deine Entscheidung, wem Du dienst: Gott oder der Welt. Wer sich für Gott entscheidet, entscheidet sich für die Freude, weil sich Gott für uns entschieden hat: So singt es Paul Gerhardt in der letzten Strophe:

„Erwähle mich zum Paradeis und lass mich bis zur letzten Reis an Leib und Seele grünen, so will ich dir und deiner Ehr, allein und sonsten keinem mehr, hier und dort ewig dienen, hier und dort ewig dienen.“

Schwestern und Brüder im Herrn. Die Freude an Gottes Schöpfung ist der Anfang aller Freude. lasst sie uns genießen und feiern! Es ist Erinnerung und Vorgeschmack auf das Paradies.  Amen.

 

Samstag, 19. Juli 2014

Predigt zur Eisernen und Diamantenen Konfirmation, Großenritte 13.Juli 2014, Gal 6,2


Einer trage des andern Last,

so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Gal 6,2

 

 

Liebe Jubelkonfirmanden, liebe Gemeinde,

Schwestern und Brüder im Herrn!

Die Konfirmation gibt es seit 475: sie hat sich in ihrem Ablauf kaum verändert, wir benutzen im Gottesdienst noch fast diesselben Worte. Die Konfirmation verbindet die Generationen, und auch heute lassen sich noch über 90% aller Jugendlichen konfirmieren.

Und doch hat sich vieles, fast alles geändert. In den 60, bzw. 65 Jahren seit Eurer Konfirmation hat sich die Welt mehr verändert, als in den 500 Jahren vorher.

 

Und ich meine damit nicht nur die ganze Technik. Ich meine damit nicht nur die Veränderungen durch Auto, Fernsehen und dem, was früher einmal das Telefon war. Auch den Computer und das Internet meine ich nicht. Das alles wissen wir, und ich weiß, dass viele von Euch Älteren damit vielleicht manchmal überfordert sind – mit geht es oft auch schon so. Aber andererseits: Hättet ihr Euch, 1949, kurz nach dem Krieg oder 1954, als das Wirtschaftswunder so gerade anfing, träumen lassen, dass es Euch einmal so gut gehen wird? Allein der medizinische Fortschritt ist gewaltig und hat das Leben gerader älterer Menschen sehr verändert!

 

Es wird viel geschimpft auf die modernen Zeiten, und manches Schimpfen ist ja auch berechtigt. Abe bei Lichte betrachtet: es geht uns gut, unglaublich gut. Wir sind Gesegnete, jedenfalls rein äußerlich. Doch ich glaube, die größte Veränderung hat im Inneren stattgefunden. Ich will Euch kurz schildern, was ich meine. Ich fand zu Hause im Altpapier einen Prospekt von einer Buchhandlung, da wurde ein Buch für Mädchen angepriesen. Es hat den Titel:

„Wie es ist, ein Mädchen zu sein.“ Und in der Anpreisung heißt es: „Mädchen lieben Pink und stehen auf Jungs – ist da wirklich immer so? Und wer gibt eigentlich solche Regeln vor? Dieses Buch fordert Mädchen auf genau hinzuschauen, die bekannten Rollenmuster zu hinterfragen – und Spaß zu haben, sich einfach selbst zu erfinden“.

 

Das hat mich sehr bewegt, Genau so ist es. Die Jugendlichen heute haben ein Problem, das von euch mit Sicherheit keiner hatte. Ein Mädchen ist ein Mädchen, und was die zu tun und wie die zu leben haben, war doch völlig klar. Immerhin war es für Euch schon recht selbstverständlich, einen Beruf zu erlernen oder zumindest Geld zu verdienen, aber spätestens bei der Heirat war doch klar, wie es weitergeht. Ihr musstet Euch nicht neu erfinden. Ihr lebtet, wie schon Eure Mütter und Väter gelebt haben, etwas moderner, aber doch in den vorgegebenen Bahnen. Und es waren ja auch schwierige Zeiten, so direkt nach dem Krieg. Doch innerlich schien die Welt noch in Ordnung: die Frage, was mach ich mit meinem Leben, was soll aus mir werden, wie erfinde ich mich, hat sich so auch nicht gestellt, und den Jungen ganz gewiss auch nicht. Die Kinder heute stehen da viel mehr unter Druck, ihnen wird zumindest vorgegaukelt, dass sie alle Möglichkeiten der Welt haben, dass sie im Grunde die Wahl haben. Aber wie soll man sich entscheiden?  Wer gibt eigentlich die Regeln vor? fragt das Buch, und die Antwort lautet: Am Ende musst du es selbst machen! du gibst dir die Regeln vor. Und dann wirst Du Spaß haben. Das ist sicherlich ein Wort, das für Euch damals noch gar keine Rolle gespielt haben wird. Dass das Leben Spaß machen muss, ist nur wirklich ein ganz und gar moderner Gedanke. Früher suchte man sein Glück, das aber ist etwas ganz anders als „Spaß“

 

Wir wissen, dass das nicht gut gehen kann, wenn man im Leben nur Spaß haben will und danach seine Regeln aussucht.  Wenn jeder seine Regeln selbst erfinden und sich selbst aussuchen kann, an was er sich hält und an was nicht, dann zerbricht eine Gemeinschaft. Gemeinsame Regeln sind wichtig für das Zusammenleben. Zu Eurer Zeit war das noch völlig klar. Und darum haben die Pfarrer damals – und es gab ja noch keine Pfarrerinnen – so darauf gedrängt, dass ihr vor allem Regeln auswendig lernt, die Gebote, das Glaubensbekenntnis, aber auch viele Lieder und Bibelverse, die euch helfen sollten im Leben klar zu kommen. Denn damals konnte man sich noch einigermaßen darauf verlassen, dass diese Regeln für alle galten. Dass das schon damals nicht wirklich stimmte, und Nazizeit auch auf diesem Gebiete eine großer innere Zerstörung angerichtet hatte, war den wenigsten bewußt. Man war sich im Grunde einig, wie das Leben sein sollte. Arbeit und Fleiß, etwas schaffen, gemeinsam etwas aufbauen, damit bessere Zeiten kommen.

Das ist heute ganz anders. Wir müssen mit den Jungen Menschen darüber reden, warum Regeln gelten, wozu sie da sind und woher sie kommen. Wir müssen für den Glauben, der uns die Regeln gibt, werben, und wir müssen es oft genug sogar schon gegen die Eltern und gegen die Schule tun, bei denen der Glaube oft gar keine Rolle mehr spielt. Der christliche Glaube mit seiner Vorstellung davon, wie das Leben gelingen kann, ist nicht mehr selbstverständlich. In diesem Sinne haben es die jungen Leute heute viel schwerer als ihr, auch wenn sie auch vom äußeren Leben her ein sehr viel angenehmeres Leben führen, als ihr damals. Jedenfalls auf den ersten Blick.

Und darum habe ich den Wochenspruch als Motto über Eure Jubelkonfirmation ausgewählt, denn er nennt eine ganz einfache Regel, mit der das Leben gelingen kann, eine Grundregel dessen, was für uns Christen wichtig und richtig ist: „Einer trage des anderen last, dann werdet ihr das Gebot Christi erfüllen“. Es geht im Glauben um die Liebe. Und Liebe bedeutet für uns Christen: Wertschätzung, Respekt und Vergebung. Denn nur so kann das Gemeinschaftsleben gelingen. Gerade Eure Generationen hat eine erstaunliche gemeinschaftliche Leistung erbracht, Ihr habt unsere moderne Wohlstandsgesellschaft erarbeitet, und dafür müssen wir Nachgeborenen Euch danken. Einer war für den anderen da, weil niemand in der Lage war, die Aufgaben in dem zerstörten und innerlich zerrissenen Land, das Deutschland damals war, allein zu lösen. Es ging nicht zuerst um Euch, es ging nicht um die Frage, ob und wie ihr Euch erfindet, es ging darum, die Aufgabe zu lösen, das Land wieder auf Vordermann zu bringen und für alle Gerechtigkeit und Wohlstand zu schaffen. Ich merke es immer sehr deutlich, wie tief das in Euch eingepflanzt wurde, und wie sehr gerade Eure Generation oft überhaupt nicht mit dem Verhalten der jungen Menschen klar kommt, die, so scheint es jedenfalls, immer zuerst an sich denken. Darum ist es so wichtig, dass die Generationen zusammenarbeiten und  zusammenhalten. Wir können und müssen voneinander lernen. Die Konfirmation ist nach wie vor ein Fest, in dem ein Teil des Lebens, die Kindheit abgeschlossen ist. Für Euch begann damals der Ernst des Lebens, und es wird auch bei Euch für manchen ein Schock gewesen sein, in die Welt der Arbeit einzutauchen: Als Stift, wie man damals sagte, als Haushaltshilfe oder einfach nur als Ungelernter, Hauptsache, man hatte Arbeit, Lohn und Brot. Nur wenigen machten nach der Konfirmation mit Schule  weiter, am wenigsten die Mädchen. Heute findet die Konfirmation mitten in der Jugend statt, die meisten  haben den längeren und schwierigeren Weg der Ausbildung noch vor sich: manch einer braucht nach der Konfirmation noch fast 10 Jahre, bis er wirklich eigenständig leben kann, in dem Alter, in dem ihr Eure Kinder schon entlassen hattet, bekommen heute viel erst ihre Kinder.

 

Da hat sich die Welt am meisten verändert. Und da wünsch ich mir, dass die Alten und die Jungen gut miteinander ins Gespräch kommen, um voneinander zu lernen. Da ist die christliche Gemeinde, ist die Kirche, genau der richtige Ort für. Denn der Glaube gilt für alle gleichermaßen, man muss sich nicht neu erfunden haben, um zu Gott zukommen. Zum Abendmahl sind heute alle geladen: jung und alt. So lernen wir, wie wichtig der Zusammenhalt der Generation ist. Einer trage des anderen Last:

Das ist ein guter, ein starker Satz über Generation hinweg! Ich wünsche Euch, dass ihr Euch mit Dankbarkeit und Freude daran erinnert, konfirmiert worden zu sein. Das ihr, gerade an einem Tag wie heute, die Spuren Gottes und seines Segens in eurem Leben findet und dankbar annehmen könnt, dass der Trost und die Ermutigung des Glauben euch helfen und bewahren, auch die Lasten des Älterwerdens gut zu tragen – und dass ihr den Kontakt, die Nähe und die Gemeinschaf mit den jungen Menschen nicht verliert, die viel mehr als ihr es sein musstet, auf der Suche sind danach, wie das Leben gelingen kann: Von Euch können sie es erfahren. Da habt ihr, als Jubelkonfirmanden, immer noch eine gute, eine wichtige, eine starke Aufgabe, für die Gott Euch Kraft, Mut und Humor schenken möge. Damals wurdet ihr vollgültige Mitglieder der Gemeinde Gottes: Ihr seid es auch heute noch. Der alte Segen ist nicht erloschen, er ist stark wie damals. Möge die gemeinsame Feier des Mahles Euch und uns immer daran erinnern. Wir können die Lasten des Lebens gemeinsam tragen, weil Gott, der in Jesus Christus Mensch wurde, uns tragen hilft und uns durch sein Wort, durch Brot und Wein und durch sein Wort beisteht. Bis in Ewigkeit.

Amen.

 

Sonntag, 29. Juni 2014

Predigt zum Stadtfestgottesdienst, Baunatal, 29. 6. 2014, Ps.

Webseite der "gastgebenden" Kirchengemeinde mit ein paar Impressionen

Heute war ökumenischer Stadtfestgottesdienst in Baunatal, als Motto hatten wir die Jahreslosung gewählt. Die Predigt war dann im Wortlaut frei gehalten, wich also etwas vom geschriebenen Text ab; vor allem eine Konfiszene war etwas anders gelagert, als ich sie hier schildere. Vielleicht arbeite ich das, wenn ich Zeit habe, noch nach. Ist aber nur eine Nuance. War gut besucht, und genau während der zwei Stunden, die die Veranstaltung im Ganzen dauerte - machte der Regen Pause.



Predigt zum Stadtfestgottesdienst, Baunatal, 29.6. 2014. Jahreslosung: Gott nahe zu sein ist mein Glück! Psalm 73, 28.

Liebe Festgemeinde, liebe Gäste, Schwestern und Brüder im Herrn!

Wir sind hier auf dem Marktplatz. Der Marktplatz ist seit jeher ein Ort des Glückes. Denn jeder, der hierher kommt, sucht nach Glück. Die einen wollen sich etwas Schönes oder Wichtiges kaufen: Schuhe, was zu Essen, Brille, Eis. Gibt es hier alles, und für mich: Bücher! Die anderen kommen hierher, um etwas zu verkaufen – weil sie davon leben, weil sie ihre Bude entrümpeln oder weil ihnen Handeln Spaß macht. Und heute sind wir hier, um zu feiern. Ein ganz einfaches Glück wird hier angeboten, und wir sollte es nicht geringschätzen. Wir wissen sehr genau, dass dieses Glück nicht haltbar ist. Was wir suchen ist ein dauerhaftes Glück. Ein Glück, das nicht nur ein Moment ist oder ein angenehmer Zufall. Was wir zutiefst suchen, ist dauerhaftes Glück. Und das können keine Waren sein und keine Dinge. Und darf auch nicht einfach Zufall sein: denn der ist ungerecht.

 

Und jetzt bietet die Kirche auch Glück an auf dem Markt. Was haben wir hier zu verkaufen? Welches Glück können wir anbieten? Das ist ja eine ungewöhnliche Zusammenstellung: Gott und Glück, Glaube und Glück oder gar: Kirche und Glück!

Aber schauen wir, ob es nicht doch zusammen passt. Wir wären nicht hier, wenn wir davon nicht überzeugt wären, und wir wären nicht hier, wenn wir nicht davon überzeugt wären, dass es auch dem Glück der Stadt dient, wenn Gott ihr nahe ist.

 

 

„Gott nahe zu sein ist mein Glück“, haben wir als Motto gewählt, es ist ein Vers aus dem 73. Psalm, der zumindest uns evangelische Christen das ganze Jahr über begleitet, aber natürlich für alle Christen gilt und wahr ist. Und dieses Glück gibt es umsonst. Wir sind hier auf dem Markt, um Euch etwas zu schenken. Oder besser gesagt: um uns gegenseitig etwas zu schenken. Oder noch genauer: um uns beschenken zu lassen.

Und was soll das für ein Geschenk sein?

Der Vers sagt es ja: die Nähe Gottes! Hier und heute ist uns Gott nah – und zwar aus dem einfachen Grunde, dass wir uns in seinem Namen versammelt haben. Daran will uns dieser Gottesdienst wie jeder andere auch erinnern: Gott ist nah. Und er ruft uns zusammen. Glück finden wir nur in der Gemeinschaft von Mensch und Gott, von Gott und Mensch.

 

5 Bilder haben wir gesehen, bzw. gehört. Sie alle beschreiben es auf ihre Weise:

Wir haben den 73. Psalm gehört. Er beschreibt eindrücklich, wie ein Mensch an sich, an der Welt und vor allen an den Menschen fast irre geworden ist. Er verlor Gott völlig aus den Augen, weil er sich ärgerte, dass es den üblen Menschen so gut geht, dass die Großfressen und Wichtigtuer sich durchsetzen, aber der redliche Fromme, der nach Gott fragt, untergeht. In seiner Not geht er in den Tempel  - und das war das Beste, was er tun konnte. In Tempel erfuhr er, dass die Nähe Gottes ein größeres Glück ist als alles andere Glück der Erde: Weil es den Tod überdauert und weil Gott auch im Unglück nahe ist. Der Beter hört, dass Gott treu ist. Darum ruft er, ganz glücklich. Ich aber: Gott nahe zu sein ist mein Glück!

Wir haben die Geschichte des Zachäus gehört: ein Zöllner, ein Steuereintreiber und Mautnehmer für die Römer. Die Römer waren sehr raffiniert darin, Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Die Zöllner mussten von den Einnahmen leben, die über den vorgeschriebenen Zoll und die festgesetzte Maut hinausgingen. Sie wurden zum Betrügen gezwungen. Kein Wunder, dass sie als Abschaum galten, und Zachäus weiß das ganz genau und ist, obwohl reich, tiefunglücklich. Aber wie da raus kommen?  Es treibt es ihn, wohl aus Neugier, Jesus zusehen, von dem er gehört hat. Er klettert, weil er klein ist, auf einen Baum. Und jetzt wiederfährt ihm ungeheures, großes Glück. Jesus sieht ihn: Steig herab von Baum, ich will heute bei Dir Essen! Ich weiß nicht, ob ihr auch nur ahnen könnte, was das bedeutet. Es ist völlig egal, ob Zachäus Jesus für den Sohn Gottes hielt oder was er sonst von ihm dachte. In aller Öffentlichkeit lädt sich ein frommer Jude bei einem Zöllner zum Essen ein: ein ungeheurer Skandal. Für die Menschen auf dem Markt eine Ungeheuerlichkeit: Sie zerreissen sich gleich das Maul: wie kann er das machen, zu einem solchen Sünder zu gehen! Doch für Zachäus ist das die große Lebensveränderung. Das größte Glück seines Lebens. Auf dem Markplatz von Jericho bekommt er den Anstoß, nach dem er vielleicht schon lange gesucht hat: sein Leben zu ändern. Spontan sagt er einen Satz, der ihn für den Rest seines Lebens glücklich machen wird: „Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück“ Das Glück der Vergebung führt zum Glück der Gerechtigkeit und des Gebens. Zachäus wird von seiner Vergangenheit befreit. Das wäre für viele Menschen das größte Glück auf Erden! Ein Satz von Jesus genügte.

Am Ende ist Zachäus um sein halbes Vermögen ärmer. Aber innerlich ist er reich.

 

Es hat mich sehr beeindruckt, wie die jungen Leute hier diese Geschichte aufgenommen haben. Die Tochter will nicht in den Gottesdienst, obwohl die Mutter es möchte. Die Mutter weiß, dass der Gottesdienst einem gut tun kann, weil man dort wenigsten die Chance hat, in die Nähe Gottes zu gelangen und Jesu Stimme zu hören. Die Tochter ist genervt. Sie spricht mit einer Freundin, die will sie auch ermuntern. Die Tochter wird wütend, weil sie nicht versteht, was alle mit dem doofen Gottesdienst haben. Schließlich geht sie hin, murrend. Und kommt verändert wieder. Sie hat die Stimme Jesu gehört und neu gelernt, zu beten. Sie ist glücklich.

 

Gebt Euch wenigstens die Chance, in Gottes Nähe zu gelangen! Dafür braucht es nicht viel. Er ist immer da: überall dort, wo sich Menschen versammeln zum Gebet, zum Hören auf sein Wort, zum Zusammensein. Hier in Baunatal gibt es Kirchen, in denen Sonntag für Sonntag, und meist auch noch über die Woche hinweg, Gottes Nähe verkündet wird, sie sind Erinnerungsmale der Nähe Gottes. Für jeden Geschmack, möchte ich fast sagen, ist etwas dabei. Alle sind eingeladen!

 

Nächste Szene:

 

Der Vater, ein Fußballfan, sammelt Panini-Bildchen, und nun kommt der große Fußballstar in die Stadt. Ich denke, dass werden die Radfahrfans unter Euch in diesen Tagen auch erleben: diese Begeisterung für einen Menschen, der Außerordentliches vollbringt. Ich kenne mich da überhaupt nicht aus, aber ich bin mir sicher, hier werden in diesen Tagen auch ein paar Superstars sein. Der Vater ist allerdings ein bisschen fanatisch. Vor lauter Sport vernachlässigt der Mann seine Familie, und offensichtlich nicht nur für ein paar tage, wie jetzt während der Fußballweltmeisterschaft.  Das ist Übel. Er verspielt das Glück von Familei, Freundschaft und Beziehung für seinen Fanatismus. Und er merkt es gar nicht. Er wundert sich nur, was alle von ihm wollen.

Und dann begegnet ihm der Superstar – und erzählt davon, dass ihm unter dem Sport die Familie zerbrochen ist. Und dass der Sport wichtig ist, aber nicht alles sein darf. Er soll heimgehen zu seinen Leuten. Das Wort des Superstars verändert das Leben dieses Mannes. Er hat nichts Angenehmes zu hören bekommen, er wurde ermahnt und zurechtgewiesen – und seht ihr, das war sein Glück. Am Ende stehen alle lachend beisammen: Der Vater ist wieder da! Das finde ichsehr beeindruckend, wie die jungen Leute das herausgespielt haben und uns Erwachsenen damit auch einen Spiegel vorhalten. Gott nahe zu sein ist mein Glück: weil wir in der Gemeinschaft Gott nahe sind, in der Vergebung und dort, wo wir einander begleiten auf dem Weg durchs Leben. Gemeinschaft heißt dieses Glück. Auch der Vater fand sein Glück „auf dem Markt“, wo der Superstar Bücher unterschrieb. Hätte man das gedacht? ‚

 

Und schließlich, und das nötigt mir tiefen Respekt ab, trauen sich die Konfirmanden sogar in den tiefsten Winkel dieses Gedankens. Freunde sterben. Eine furchtbare Erfahrung. Die Schlimmste, die man außer dem Tod von Kindern und Eltern machen kann. Wo ist Gott da? Was tut er? Wo ist da das Glück? Ist es nicht geradezu zynisch, hier noch zu sagen: Gott nahe zu sein ist mein Glück? „Aber wir haben doch noch uns“, heißt es am Ende. Die gemeinsame Trauer, die gemeinsame und geteilte Erfahrung von Unglück führt die Überlebenden zusammen: Aber wir haben doch noch uns! Einander nahe zu sein, ist unser Glück. Der Glaube vertraut darauf, dass Gott auch in den tiefsten Tälern unsers Lebens nahe ist. Und wenn Du nicht glauben kannst, dann glaube ich für dich mit, bis Du wieder zum Glauben findest. Das meine Lieben, ist die eigentliche und wichtigste Aufgabe der Kirche, egal in welcher Gestalt: Solidarität im Leiden. Das Glück des Glaubens heißt: Trost, Beistand, Treue. Das ist ein tiefes Glück, das mit dem lauten Jahrmarktsglück nun gar nichts mehr zu tun hat. Es ist, man muss es sagen, ein Glück, das nur kennt, wer es kennengelernt hat, und wir sollten und müssen tiefen Respekt haben vor allen Menschen, die aus solchen Verlusten heil herausgekommen sind: denn Gott war ihnen nahe, ob sie es glauben oder nicht.

 

Heil – das ist das Stichwort. Der Glaube will uns heilen: heilen von der Angst, heilen vom Schmerz, heilen vom Stress, heilen von der Einsamkeit, heilen auch marktförmigen Denken, dass alles seinen Preis habe.

Das ist es, was wir hier tun: wir rufen einander zu: Gott nahe zu sein ist mein Glück! Und dieser Ruf gehört auf den Markt, wie er in die Familien gehört und an den Arbeitsplatz, in die Schulen und überall, wo Menschen zusammen sind auf der Suche nach dem Glück. Dieses Glück gibt es heute, jetzt, hier, auf dem Markt in Baunatal für Baunatal und alle, die hier sind. Schuhe sind was Schönes, ich habe da ein Schwäche für. Ich kann nicht über den Markt gehen, ohne ein Würstchen zu essen, und jede Buchhandlung ist für mich eine Versuchung. Soviel Glück gibt es hier zu kaufen!

Doch das Glück, in meinem Leben einen Sinn, in meinem Nachbarn den von Gott geliebten Nächsten zu sehen und in meiner Einsamkeit und Trauer nicht allein zu sein, das Glück der Gemeinschaft: das kann ich hier nicht kaufen. Das gibt es umsonst: Überall, wo der Name Gottes angerufen wird, werden Menschen zusammengeführt, erfahren Trost, Ermahnung, Begleitung, Gemeinschaft im Gebet. Nehmt es mit, dieses Glück, gebt es weiter: Dieses Glück wird mehr, wenn man es teilt – das hat Zachäus verstanden! So tragen wir auch als Christen bei zum Glück der Stadt, und nicht zu knapp. Ihr seid eingeladen, daran teilzuhaben! Wir alle sollen sagen können: Gott nahe zu sein ist mein Glück. Das wird auch ein Glück für diese Stadt sein. Amen.




Sonntag, 1. Juni 2014

GD zur Einführung der Konfirmanden 1_6/25_5 Altenritte-Großenritte

Ein ganzer Gottesdienst voller neuer Konfirmanden, dazu Familien, die z.T. schon lange nicht mehr in einem Gottesdienst waren - was tun? In unsere Agende findet sich ein "kommentierter Gottesdienst", freilich auf dem Stand der 70er Jahre. Wir haben ihn ein wenig "aufgepeppt" - und es hat gut funktioniert. Der "Einwerfer" war unser Jugendarbeiter, Hauke Rauschenbach. Vielleicht eine schöne Anregung. Die Predigt war auch etwas anders, wir verwendeten einen Dialog zwischen dem Beter und Gott, da muss ich aber erst die Urheberrechte klären. Folgt demnächst.


 

Vorspiel

         Halt, halt, halt. Warum stehen jetzt alle auf? Was kommt jetzt?

Wir fangen gemeinsam an. Wir bitten darum, dass der Heilige Geist zu uns kommt. Denn nur dann wird das hier ein richtiger Gottesdienst. Singen wir jedesmal. Können am Ende alle auswendig. Und das ist schön: auswendig miteinander singen. Machen wir sonst nirgendwo mehr.

         Doch, im Fußballstadion.

Merkwürdiger Vergleich. Aber gar nicht mal so falsch.

Wechselgruß

156

Begrüßung

Wieso sagst Du nicht einfach „Guten Tag“, sondern so ein geschwollenes Zeug?

Weil nicht ich die Leute begrüße, sondern im Grunde Gott. Das ist hier nicht die Roland Kupski und Hauke Rauschenbach Show, sondern Gottesdienst: Wir dienen Gott, Gott dient uns. Deswegen dieser Anfang. Ich finds schön.

         Warum singen wir eigentlich im Gottesdienst.

1. Weil Singen Spaß macht.

2. Weil man mit Singen etwas ausdrücken kann, was man mit Worten nicht ausdrücken kann.

3. Weil Musik schön ist.

         Und die meisten Lieder sind doof und altmodisch. Und ich kann nicht singen.

Das glaube ich nicht. Du traust Dich nicht zu singen. Wir singen jetzt mal ein ganz einfaches Lied. Einen Ohrwurm. Ist aber auch schon über 50 Jahre alt. Alles Gewöhnungssache. Und wenn man´s gewöhnt ist, wird’s auch schön.

Lied: 334, Danke

         Und jetzt?

Jetzt geht’s richtig los. Wir beten einen Psalm.

         einen was?

Einen Psalm. Ist Griechisch, heißt soviel wie Lobgesang.

         Und warum?

Die Psalmen stehen in der Bibel. Damit wird der Gottesdienst schon seit 3000 Jahren gefeiert. 3000 Jahre. Wer da keine Gänsehaut kriegt

         oder vor Langeweile einschläft…

Die Langeweile verfliegt sehr schnell, wenn man aufmerksam liest. Da kommt alles vor, was uns auch heute noch bewegt. Angst, Zorn, Wut, Glück, Lust, Freue.

Wir beten heute mal einen Klassiker. Den werden viele hier auswendig können. Und bald auch die Konfis.

         ist das eine Drohung?

Ach, woher denn. Wenn mans kann, macht´s Spaß.

Und man hat was, was man beten kann. Soll sogar bei Klassenarbeiten helfen.

 

Psalm EG 711

Psalm:

Der Herr ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch

im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl

und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Ps 23

 

Ehr sei dem Vater und dem Sohn....

         So, und jetzt der kommt der langweiligste Teil. Die Liturgie. Kenn ich schon. Kapier ich nicht.

Ist aber ganz einfach. Es wie, wenn du von der Schule nach Hause kommt. Erst motzt du rum, was alles blöd gelaufen ist. Dann erzählen wir, was gut gelaufen ist.

Nach der Klage singen wir: Herr, erbarme Dich, nach dem Lob: Allein Gott in der Höh sei Ehr. Motzen und Danken.

         Aha, erst schimpfen, dann loben. Dann kommt als nächstes so etwas wie eine Bitte?

Genau. Ein Gebet. Ein kurzes. So etwas wie ein Stoßgebet. Sieht man manchmal bei Sportlern, kurz vorm Start, wenn sie sich sammeln. Deswegen heißt es auch: Sammelgebet. Denn jetzt geht der Gottesdienst gleich richtig los!

         Was soll das denn heißen? hat doch schon angefangen.

Ja, aber jetzt kommt der Höhepunkt. Es wird aus der Bibel vorgelesen. Und zwar meisten von jemandem aus dem Kirchenvorstand.

         Aha, damit Du dich nicht überarbeitest.

Nein, damit alle sehen: In der Bibel und aus der Bibel zu lesen, können und sollen alle Christen. Und weil das so wichtig ist, stehen wir dazu auf. Das geht so: (Gemeinde Aufstehen lassen, Gemeinde setzen lassen).

         Cool. Leuchtet mir ein. Klagen, loben, bitten, lesen. Ist die Lesung so etwas wie die Antwort auf das Gebet?

         Du hast es erfasst. Darum freuen wir uns und singen: Hallelujah.

         Hallo Julia? Ist aber diesmal keine Julia dabei.

Das ist Hebräisch. Heißt: Freut Euch über Gott!

         Und dann setzen wir uns wieder?

Nein, dann kommt das Glaubensbekenntnis. Ist auch schon fast 2000 Jahre alt.

         und total altmodisch. Die Hälfte davon verstehe ich nicht, die andere glaube ich nicht.

Das wird sich nach Konfer hoffentlch geändert haben. Weißt Du, wie das mit dem Glaubensbekenntnis ist?

         Na, jetzt bin ich aber gespannt.

Das ist wie mit einem alten antiken Möbelstück, das man sich in die Wohnung stellt, weil man es von der Oma geerbt hat. Als Erinnerung. Wie lange es uns Christen schon gibt. Stell dir vor, dass Christen das seit 2000 Jahren unverändert gebetet haben. Die haben das auch nicht immer verstanden. Aber es war ihnen wichtig. Es zeigt, dass wir uns als Christen einig sind über alle zeiten und Räume. Es ist auch in allen Sprachen gleich. Wie das Vaterunser.

Meinetwegen. Und wenn ich es nicht auswendig kann?

Dann findest Du es im Gesangbuch Nr 804. Und nach Konfer kannst Du es auswendig.

         Was denn noch alles?

Alles, was Du brauchst.

Und jetzt lass uns Gottesdienst feiern.

         Eine Frage noch

Ja, bitte?

         Die Predigt….

Kommt dann. Heute auch mal anders als sonst. Lasst Euch überraschen.

 

 

Bittruf:

Wir haben oft große Not, ertragen nicht, was abgeht, brauchen Hilfe!

 

Lobpreis:

Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat!

 

Gebet.

 

Lieber Vater im Himmel,

führe uns zum Glauben. Mache unserer Herzen weit, dass wir die Liebe finden. Zünde eine Hoffnung in uns ans. Erleuchte unseren Verstand, dass wir Dein Wort verstehen und verkündigen. Und öffne uns die Hände, dass wir weitergeben, was wir empfangen haben.

 

Lesung:

Amen


Glaubensbekenntnis

Lied: 317 (316), 1-4 Lobet den Herren

Predigt:

Lied: 577, 1-3 Kind Du bist uns

         So, sind wir jetzt fertig?

Normalerweise fast. Jetzt käme eigentlich nur noch ein langes Gebet, wo wir für die ganze Welt beten. Dann das Vaterunser. Dann der Segen. Und Schluß.

         Und heute nicht?

Jetzt kommt noch etwas besonders: ein Segen zum Anfang. Deswegen sind wir doch hier.

         Was ist ein Segen

Das Gegenteil von einem Fluch. Eine Art Glückwunsch hoch drei. Wir wünschen den Kids hier, dass Gott immer bei ihnen ist und dass er ihnen hilft, damit  ihnen Konfer was bringt. Segen heißt: Die Kraft Gottes weitergeben.

         Ich denke, dass passiert erst bei der Konfirmation?

Ja, genau. Das ist hier so etwas wie ein Vorschuss. Eine Starthilfe. Eine Heiligsprechung auf Vorrat, wenn man so will. Deswegen kriegen die auch was zu essen.

         Wieso? Was denn ? Chips? Gummibärchen?

Brot und Weintrauben. Als Erinnerung an das Abendmahl. Jesus feiert mit uns, indem er Brot und Wein mit uns teilt. Das soll hier eine Art Vorübung sein. Und ein Willkommensgruß. Kennt man doch, wenn Leute irgendwo zugezogen sind: dann kriegen sie Brot und Salz.

         Dann lieber Brot und Weintrauben.

Meine Rede.

         Am Ende wird Geld gesammelt.

Erklär ich dann. Lass uns anfangen. Die werden schon ganz zappelig.

 

 

 

 

 

 

Aufruf der Gruppen/Kurze Ansprache

Einführungssegen

Austeilen Brot und Weintrauben

Abkündigungen

Fürbitte/Stilles Gebet

Fürbitte:

 

52. Vater unser,

Liebe in Person,

überall und nirgends,

überall da und am Werk,

aber nirgends zu erkennen

als allein durch Jesus.

 

Du hast einen Namen;

gib, daß wir ihn aussprechen

und nicht verschweigen.

 

Mach durch uns sichtbar,

wer du bist

und wie du es mit der Welt meinst.

 

Überzeuge uns davon,

daß wir viel tun können

für deine Sache.

Laß uns das Machbare

verantwortlich tun

und da, wo uns die Hände gebunden sind,

vertrauen.

 

Ermögliche allen Menschen

menschenwürdige Verhältnisse,

leiblich und geistig.

Laß uns selbst dafür arbeiten,

so wie er es getan hat.

 

Mach täglich

einen neuen Anfang mit uns,

ganz gleich was es war.

Wir wollen dasselbe

mit unseren Mitmenschen versuchen.

 

Und hilf uns bei schweren Entscheidungen,

das Rechte zu tun,

damit wir die Probe bestehen.

 

Nur mach uns frei von Selbstsicherheit

und Resignation

und der irreführenden Macht,

die in beiden wirkt.

 

Denn dir gehört alles,

bei dir ist kein Ding unmöglich,

du bist die Liebe für alle Zeit.


 

 

Vaterunser

Lied: 590, 1-3 Herr, wir bitten

Bekanntnmachungen

 

         Es wird also immer Geld gesammelt?

Ja. Beten allein hilft nicht. Wie im Vaterunser, erinnere Dich: Gib uns unser täglich Brot und Vergib uns unsere Schuld. Es gibt genug Menschen, die haben kein täglich Brot. Da müssen wir helfen und zeigen, dass sie uns nicht egal sind.

         Immer für diesselben? Ich bin auch völlig abgebrannt. Sammelt doch mal für mich!

Bleib bitte ernst. Es geht immer um etwas anderes: Das beschließt der Kirchenvorstand. Wichtige Sachen. oft auch Sachen, von denen man noch nie gehört hat, weil es nicht inder Zeitung steht. Und trotztdem wichtig ist.

         Zum Beispiel?

Zum Beispiel heute: Eine Art Hausaufgabenhilfe. Ich erklärs mal.

(Kollektenankündigung)

 

         Halt, halt, halt. Noch eine Frage!

Nein, jetzt ist Schluß. Komm doch in Konfer oder in die Bibelstunde. Da kriegst du geholfen.

         Okay, ich will auch heim.

Siehste.

Segen

Amen, Amen, Amen

Nachspiel

Auszug