Montag, 3. Februar 2014

kain und abel rap



Kain du Schwein
Das war nicht fein
Musste das sein
Das Blut da schreit
hast die Erde entweiht
Auf der Stirne das Mal
Für uns eine Qual
Du bist  in uns drin
Verwirrst uns den Sinn.
Kain du Schwein
Willst nicht Bruder sein

Die Erde nimt auf was die Hände vergossen und die Seele vergessen auf Gnade versessen betrügst du mit Essen doch Gott ist viel schlauer als so ein Bauer er kennt die Gedanken, die kranken, die wanken, und lässt Dich doch leben so ist erdann eben und macht dich zum Zeichen, kannst du uns erreichen mit deinen Geschichten der elende Mensch kennt nur das Vernichten verbreitet nur Grauen, zerstören statt bauen und läuft ohne Liebe, reimt nur auf Triebe und sinnt nur auf Hiebe ist verloren verwirrt ein fehlbarer Hirt verformtes Geschöpf.


Was hat dich gestört?
Gott hat dich gehört!
Was willst Du erreichen
Mit tierischen Leichen
Es stinkt ganz bestialisch
Und ist martialisch
Ganz barbarisch
Unvegetarisch
Gemein und brutal
Nasenqual
Und Gott ganz egal
Will Liebe, nicht Leichen
Jetzt musst du entweichen.
Bringst Mord in die Welt
Hast den Bruder gefällt.

Kain du Schwein
Das war nicht fein
Musste das sein
Das Blut da schreit
hast die Erde entweiht
Auf der Stirne das Mal
Für uns eine Qual
Du bist  in uns drin
Verwirrst uns den Sinn.
Kain du Schwein
Willst nicht Bruder sei

Denkst nicht an die Mutter
Denkst nur an dein Futter
Denkst nicht an den Vater
Wirst immer rabiater
Selber zum Tier
Augen voll Gier
Jetzt läufst Du herum
Den Rücken ganz krumm
Von Schuld ganz verbogen
Ins Weite gezogen

Die Erde nimt auf was die Hände vergossen und die Seele vergessen auf Gnade versessen betrügst du mit Essen doch Gott ist viel schlauer als so ein Bauer er kennt die Gedanken, die kranken, die wanken, und lässt Dich doch leben so ist erdann eben und macht dich zum Zeichen, kannst du uns erreichen mit deinen Geschichten der elende Mensch kennt nur das Vernichten verbreitet nur Grauen, zerstören statt bauen und läuft ohne Liebe, reimt nur auf Triebe und sinnt nur auf Hiebe ist verloren verwirrt ein fehlbarer Hirt verformtes Geschöpf.

Kain du schwein
Das war nicht fein
Musste das sein
Das blut da schreit
Du hast die Erde entweiht
Auf der Stirne das Mal
Für uns eine Qual
Du bist  in uns drin
Verwirrst uns den Sinn.
Kain du Schwein
Willst nicht Bruder sei

Gewalt ist nur feige
Wenn ich was vergeige
Und spüre die Wut
Das kommt nicht gut
Die Fäuste geballt
Hat es gleich geknallt
Wie soll das gehen
Soll es ewig  geschehen
Immer aufs Maul
Da ist doch was faul
Ich will so nicht leben
Muss besseres geben.

Kain du schwein
Das war nicht fein
Musste das sein
Das blut da schreit
Du hast die Erde entweiht
Auf der Stirne das Mal
Für uns eine Qual
Du bist  in uns drin
Verwirrst uns den Sinn.
Kain du Schwein
Willst nicht Bruder sein

Die Erde nimmt auf was die Hände vergossen und die Seele vergessen auf Gnade versessen betrügst du mit Essen doch Gott ist viel schlauer als so ein Bauer er kennt die Gedanken, die kranken, die wanken, und lässt Dich doch leben so ist erdann eben und macht dich zum Zeichen, kannst du uns erreichen mit deinen Geschichten der elende Mensch kennt nur das Vernichten verbreitet nur Grauen, zerstören statt bauen und läuft ohne Liebe, reimt nur auf Triebe und sinnt nur auf Hiebe ist verloren verwirrt ein fehlbarer Hirt verformtes Geschöpf.

Gott selber muss sterben
Frieden vererben
Die Rohheit erleben
Gemeinheit vergeben
Mach Abel lebendig
Geschichte bleibt wendig
Du musst nicht mehr fliehen
Dich in Wüsten verziehen
Der Würde beraubt
erhebe dein Haupt
Und kehre zurück.
Die Erde ist rein
Kann Acker dir sein
Bau dir ein Haus!
Das Elend ist aus!

Kain du Schwein
Das war nicht fein
Musste das sein
Jesu Blut schreit
Hat die Erde geweiht
An den Händen das Mal
Für uns eine Qual
Er ist  in uns drin
Verklärt uns den Sinn.
Kain du Schwein
Kannst wieder Bruder sein!







Sonntag, 26. Januar 2014

1000 Aufrufe

Liebe Leserinnen und Leser,
gestern hatte ich den 1000en Aufruf dieser Seite, wirklich viel Bewegung ist das ja nicht, ich werde den blog aber weiterführen, weil es praktisch ist, auf Predigten bei Rückfragen einfach per link zu veweisen.

Erstaunlicheweise hat mein Zinnfigurenblog mehr als doppelt so viele Zugriffe. Das macht micht schon nachdenklich....;)

Samstag, 25. Januar 2014

Predigt Apg 10. Vom Ekel und der Freiheit. 3.S.n. Epiphanias



Liebe Gemeinde, Schwestern und Brüder im Herrn!
Essen ist ein zutiefst religiöses Thema. Alle Religionen, ausnahmslos, sagen etwas dazu, was man essen darf und was nicht. So kann man zwischen denen, die dazugehören und denen, die nicht dazugehören, unterscheiden. Diese Speisegebote haben, anders als viele Menschen denken, mit Hygiene oder Gesundheit überhaupt nichts zu tun. Sie sind rein religiös. Für die, die daran glauben, sind diese Gebote der Wille Gottes oder Ihrer Götter. Hindus essen kein Fleisch. Moslems essen kein Schweinefleisch, trinken keinen Alkohol. Und das Judentum hat unter den großen Religionen die ausgefeiltesten Speiseregeln. Im Alten Testament wird über Seiten erklärt, was man essen darf  und was nicht. Schweinefleisch gehört dazu, Blut in jeder Form,  das Fleisch von Unpaarhufern überhaupt, also z.B. auch Pferden, alles was fliegt, aber kein Vogel ist, alles was mehr als 4 Beine hat, alles was schwimmt, aber kein Fisch ist. Also: Keine Insekten, keine Spinnentiere, d.h. auch keine Krebse und Krabben, kein Tintenfisch. Auch darf man nicht zusammen essen, was aus Fleisch oder Milch ist. Also keine Salamipizza mit Käse, keine Käse-Schinkenbrötchen, kein Schnitzel mit Sahnesauce.
Solche Speisegebote sitzen tief, ganz tief. Wer damit groß wird, entwickelt vor dem, was verboten wird, regelrechten Ekel. Das kennen wir ja auch.  Gebannt verfolgen 9 Millionen Menschen, wie eine Schar von Halbpromineten im Dschungelcamp alle möglichen Dinge essen, die – für uns jedenfalls – von unbeschreiblicher Ekligkeit sind: Insekten, roh; pürierte Innereien, Unaussprechliche Körpersäfte von Tieren. Sie wühlen in verrottetem Fleisch, lassen sich mit Kakerlaken, Spinnen und Schlangen überschütten, ihr Ekel fasziniert die Menschen: denn hier wird eine Grenze überschritten, für die allermeisten von uns jedenfalls, und wohl auch für die Kandidaten selber, wie man leicht sehen kann. Für viele ist das unerträglich, für mich übrigens auch. Aber es geht mir nicht ums Dschungelcamp, da ließe sich vieles zu sagen. Nur: auf überraschende Weise können diese entsetzlichen Ekelbilder uns helfen, zu verstehen, wovon ich heute zu predigen habe. Petrus, der fromme Jude, muss eine Grenze überwinden, die für ihn absolut unüberschreitbar war: die Grenze zum Heidentum. Er bekommt den Auftrag, den römischen Hauptmann Cornelius zu besuchen, und das allerschlimmste: mit ihm zu essen  - und ihn am Ende zu taufen. Aber vorher muss er durch eine Prüfung hindurch, eine wahre Dschungelprüfung.

Es ist eine lange Geschichte: Aber sie spricht schon fast für sich. Der Weg in die Freiheit kostet Überwindung, könnte man sie überschreiben.

Apg 10,1-48
Der Hauptmann Kornelius
9 Am nächsten Tag, als diese auf dem Wege waren und in die Nähe der Stadt kamen, stieg Petrus auf das Dach, zu beten um die sechste Stunde. 10 Und als er hungrig wurde, wollte er essen. Während sie ihm aber etwas zubereiteten, geriet er in Verzückung 11 und sah den Himmel aufgetan und etwas wie ein großes leinenes Tuch herabkommen, an vier Zipfeln niedergelassen auf die Erde. 12 Darin waren allerlei vierfüßige und kriechende Tiere der Erde und Vögel des Himmels. 13 Und es geschah eine Stimme zu ihm: Steh auf, Petrus, schlachte und iss! 14 Petrus aber sprach: O nein, Herr; denn ich habe noch nie etwas Verbotenes und Unreines gegessen.
Und die Stimme sprach zum zweiten Mal zu ihm: Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht verboten.
Und das geschah dreimal; und alsbald wurde das Tuch wieder hinaufgenommen gen Himmel.
17 Als aber Petrus noch ratlos war, was die Erscheinung bedeute, die er gesehen hatte, siehe, da fragten die Männer, von Kornelius gesandt, nach dem Haus Simons und standen an der Tür, 18 riefen und fragten, ob Simon mit dem Beinamen Petrus hier zu Gast wäre. 19 Während aber Petrus nachsann über die Erscheinung, sprach der Geist zu ihm: Siehe, drei Männer suchen dich; 20 so steh auf, steig hinab und geh mit ihnen und zweifle nicht, denn ich habe sie gesandt.
21 Da stieg Petrus hinab zu den Männern und sprach: Siehe, ich bin's, den ihr sucht; warum seid ihr hier? 22 Sie aber sprachen: Der Hauptmann Kornelius, ein frommer und gottesfürchtiger Mann mit gutem Ruf bei dem ganzen Volk der Juden, hat Befehl empfangen von einem heiligen Engel, dass er dich sollte holen lassen in sein Haus und hören, was du zu sagen hast. 23 Da rief er sie herein und beherbergte sie.
Am nächsten Tag machte er sich auf und zog mit ihnen, und einige Brüder aus Joppe gingen mit ihm. 24 Und am folgenden Tag kam er nach Cäsarea. Kornelius aber wartete auf sie und hatte seine Verwandten und nächsten Freunde zusammengerufen. 25 Und als Petrus hereinkam, ging ihm Kornelius entgegen und fiel ihm zu Füßen und betete ihn an. 26 Petrus aber richtete ihn auf und sprach: Steh auf, [a]ich bin auch nur ein Mensch.
27 Und während er mit ihm redete, ging er hinein und fand viele, die zusammengekommen waren. 28 Und er sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll. 29 Darum habe ich mich nicht geweigert zu kommen, als ich geholt wurde. So frage ich euch nun, warum ihr mich habt holen lassen.
30 Kornelius sprach: Vor vier Tagen um diese Zeit betete ich um die neunte Stunde in meinem Hause. Und siehe, da stand ein Mann vor mir in einem leuchtenden Gewand 31und sprach: Kornelius, dein Gebet ist erhört und deiner Almosen ist gedacht worden vor Gott. 32 So sende nun nach Joppe und lass herrufen Simon mit dem Beinamen Petrus, der zu Gast ist im Hause des Gerbers Simon am Meer. 33 Da sandte ich sofort zu dir; und du hast recht getan, dass du gekommen bist. Nun sind wir alle hier vor Gott zugegen, um alles zu hören, was dir vom Herrn befohlen ist.
34 Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm.[36 Er hat das Wort dem Volk Israel gesandt und Frieden verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alle.

Petrus hat eine Vision davon, das Ekelhafteste essen zu müssen, was man sich als frommer Jude überhaupt nur vorstellen kann: Insekten und unreine Vögel. Es ist eine wahre Dschungelprüfung, der er sich hier zu unterziehen hat. Allen Menschen soll das Evangelium verkündigt werden. Unterschiedslos. Dafür werden alle alten Trennungsregeln aufgehoben: radikal und von Gott selber
Petrus wird vorbereitet darauf, in das Haus eines Heiden, ja nicht nur eines Heiden, sondern sogar eines Feindes zu gehen. Es ist unglaublich, was Gott hier dem Petrus zumutet – aber er mutet ihm eben keine schlimme Prüfung zu, damit andere sich über ihn lustig machen, wie im Dschungelcamp, sondern er mutet ihm die Freiheit zu, die Freiheit vom Gesetz, wie Paulus es später nennen wird. Alles, was die Menschen trennt, alles, was die Menschen angeblich im Namen und im Auftrag Gottes trennt, ist aufgehoben und für null und nichtig erklärt worden. Und darin folgt er Jesus nach.  Wir haben die Geschichte gehört, wie er den Knecht des römischen Hauptmannes heilt. Das war eine echte Provokation für seine Zeitgenossen!
Der Moment, in dem Petrus essen sollte, was er nicht essen durfte, war der Beginn der Ausbreitung der Kirch in alle Völker, auch zu uns. An die Stelle enger Regeln trat die Weite der Liebe. „: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm.[36 Er hat das Wort dem Volk Israel gesandt und Frieden verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alle.“ So fasst es Petrus zusammen.


Aber führt diese totale Aufhebung von Sitte und Tradition nicht zu völliger Anarchie und Chaos? Was soll der Glaube dann noch, wenn alles erlaubt ist? Ist das nicht doch ein bisschen zu radikal gedacht? Das heißt doch auch, dass auf allen anderen Lebensgebieten die bisherigen Regeln aufgehoben sind – man denkt ja gleich auch an Fragen der Sexualtität oder des Rechtes überhaupt: Gelten denn gar keine Regeln für Christen? Ist alles erlaubt? Geht die Freiheit so weit?
Nun, Paulus sagt dazu: Es ist alles erlaubt, aber nicht alles bringet Frucht. Es ist alles erlaubt, aber nicht alles baut den Menschen auf. Wir Christen sind in die Freiheit entlassen, nach dem Sinn von Geboten zu fragen, nach ihrer Lebensdienlichkeit.
Du musst nach der Liebe fragen und nach dem, was dem Leben dient, um herauszubekommen, was richtig und was falsch ist.
So gibt immer in der Tat immer noch Sachen, die man nicht essen sollte. Aber nicht, weil sie von Gottes verboten sind oder eklig sind.
Wir müssen als Christen die Frage nach dem Essbaren und Tragbaren anders stellen lernen. Ich nenne zwei einfach Beispiele:
Eine Ananas, die 10.000 km durch die Luft geflogen ist: die hat eine Spur der Umweltschädigung hinter sich her gezogen, wo man schon fragen sollte, ob sie nicht großen Schaden anrichtet und ob man die wirklich essen sollte.
Und so schwer es mir als Fleischesser fällt: Die Unmengen von Fleisch, die wir inzwischen in uns hineinstopfen haben nachweislich große Wirkungen auf die Umwelt: Der Regenwald wird abgeholzt, damit Äcker angelegt werden können, auf denen Soja angebaut wird, das die Millionen von Rindern fressen, die dann zu Steaks verarbeitet werden. Und die, denen das Land gehört, bekommend dafür einen Hungerlohn, wenn überhaupt etwas. So klebt an unserem Fleisch Unrecht. Da ist die moralische Herausforderung, vor der wir stehen. Und das geht uns nahe, jeder spürt es gerade, da bin ich mir sicher. Es geht nicht mehr um Ekel oder Sitten und Gebräuche. Es geht um das Gewissen.
Paulus wird später von seiner Gemeinde in Korinth gefragt, ob Christen Fleisch essen dürfen, das aus einem heidnischen Tempel stammt. Natürlich dürft ihr das: Es gibt diese Götter doch gar nicht, dann dürft ihr auch das Fleisch essen, das für sie geopfert wurde. Alles andere wäre doch reiner Aberglaube. So sagt Paulus.
Aber  er sagt auch:
Wenn einer am Tisch sitzt, der das nicht mitmachen kann, weil es ihm zu weit geht und sein Gewissen belastet, dann solltet ihr es nicht tun. Beschämt nicht euren Nächsten, schadet ihm nicht, schont einander, geht aufeinander ein, fragt nach der Liebe. Das sollte uns bei allen Fragen nach dem richtigen Leben immer eine Richtschnur sein: das Wohl des Nächsten. Darum ist es auch nicht christlich, mit der Bibel in der Hand herumzufuchteln und zu rufen: es steht geschrieben, es steht geschrieben! Nicht der Wortlaut der Gesetze ist entscheidend, sondern der lebendigmachende Geist, der nach ihrem Nutzen fragt. Der Buchstabe tötet, sagt Paulus, der Geist macht lebendig. So werden die Herzen weit, das Fremde aufzunehmen und die Welt zu einem Ort des guten Lebens in Frieden und Freiheit zu machen. Prüfet alles, schreibt Paulus, aber das Gute behaltet. Das Gute aber ist, was dem Nächsten dient. Alles, was ihr wollt, das Euch die Leute tun, das tut ihnen auch, lautet das neue Gebot, und so lernen es die Konfirmanden: Da haben sie eine Regel, mit der das Leben gelingen kann. Petrus hat die Lektion gelernt, Cornelius wurde getauft, die Welt kam einen Schritt weiter in Richtung Frieden und Menschenwürde, Versöhnung und Gerechtigkeit.
Also sollen sie im Dschungel meinetwegen essen, was sie wollen. Aber dass Menschen in ihrem Ekel, ihrem Schauer und ihrer Not zum Vergnügen eines Massenpublikums vorgeführt werden, dass man sich als denkender Mensch vor dem Fernsehet vor Scham und Entsetzen windet: das geht eben gar nicht. Was immer wir tun, und das ist die einfache Regel am Ende dieser langen Predigt: Niemals darf die Würde des Menschen verletzt werden und die Schöpfung Sachen nehmen, sondern überall sollen Erbarmen, Weite des Herzens und Liebe regieren! Das ist der Kern der christlichen Ethik. Das hat Petrus begriffen und die engen Grenzen seiner Religion gesprengt. Seien wir ihm dankbar. Seien wir Gott dankbar, der uns diese Freiheit schenkt. Nutzen wir sie. Zum Wohle der Welt. Amen.

Freitag, 27. Dezember 2013

Predigen unter neuen Voraussetzungen

Ich merke es selber: ich predige zu wenig. Ich komme nicht in den Rhythmus. Während ich jetzt ja viele theologische Texte aller Art schreibe und dabei spüre, wie sich mein Stil und mein Denken verflüssigen, bemerke ich beim Predigen eher eine Art Stillstand. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass ich die Gemeinde erst noch finden muss bzw. sie mich. Mal sehen. Aber ich habe ja bisher auch wenig Gottesdienste gehabt, in denen ich einfach mal nur die Perikope predigen konnte. Ich hatte eigentlich bisher nur "Kasualien", wenn man so will, außer dem 4. Advent. Und da bin ich auch ganz zufrieden mit. Weihnachten litt ein wenig unter der Hetze eines zu eng geschnittenen Gottesdienstplanes: da muss etwas geschehen, wir tun uns keinen Gefallen damit. Nun denn, ich muss also meine Leser und Leserinnen  (derer es ja doch viele gibt) vertrösten. Es wird noch dauern bis ich wieder Tritt gefasst habe beim Predigen.

Dienstag, 24. Dezember 2013

Predigt Gal 4,4-7. Zumutung! Gottesdienst zum 1. Feiertag, 2013



Gal 4,4-7
4 Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan,
5 damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen. 6 Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!
So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.

Weihnachten, liebe Gemeinde, ist eine Zumutung.
Und ich meine damit nicht all den lauten oder leisen Kult, den wir in den letzten Wochen wieder erlebt haben und der uns, je nach Gemüt und Charakter, auf die Nerven geht  oder auch nicht. Das ist Brauchtum: das kann man mögen oder nicht.
Weihnachten ist eine Zumutung, weil es eine Tat, ein Fest Gottes ist. Weihnachten mutet uns zu, zu glauben. Und gleichzeitig traut uns Gott auch zu, zu glauben. So wie es den Hirten und den Weisen aus dem Morgenland, ja sogar den Engeln zugemutet wurde zu glauben. Maria,  Joseph, die Hirten, die Weisen, später die Jünger und all die Menschen, denen Jesus begegnete, und noch später all die Menschen, die vom Geist Gottes getroffen wurden, durch das Wort der Predigt und die Zeichen der Sakramente: Sie wurden vom Wort Gottes getroffen und nun hieß und heißt es: Glaube! Vertraue auf das, was du hörst! Vertraue auf Gott! Sie wurden und werden überwältigt von der Liebe Gottes. Es kam alles so anders, als sie dachten. Weil Gott ganz anders ist, als wir denken.
Sie alle hatte nicht damit gerechnet und rechnen nicht damit, das Gott ernst macht mit dem, was er seit Jahrhunderten verheißen hat: dass er kommt, um die Welt zu ändern. Dass er kommt, um Gericht zuhalten und Gerechtigkeit herzustellen. Aber auf seine Weise. Nicht mit Feuer und Schwert, sondern mit Leibe und Sanftmut. Fürchtet Euch nicht! lautet die frohe Botschaft. Gott kommt!.
Aber wie kommt er! Er kommt als ein Kind, das zu einem sanftmütigen, den Menschen zugewandter Mann heranwächst. Er kommt nicht gewaltig, und schon gar nicht gewalttätig. Er erfüllt nicht unsere Träume von Rache und Vergeltung, sondern von Liebe und Wertschätzung.  Er kommt nicht als Mächtiger zu den Mächtigen, sondern als Armer zu den Armen. Er kommt zu seinen Kindern, nicht um sie zu enterben, wozu er allen Grund hätte, sondern um sie als Erben einzusetzen. Er macht ernst mit dem, was er über Jahrhunderte durch die Propheten verkündigt hat: Er kommt, die Welt zu ändern, von innen heraus. Mit einfachen, schlichten Mitteln.  Mitten in der Weltgeschichte mit all ihren Grausamkeiten, mit aller ihrer Ungerechtigkeit, Brutalität und entfesselten Dummheit beginnt er eine neue Geschichte.  Und an Weihnachten fängt diese Geschichte an. Und wir kommen alle darin vor.
Das ist die Zumutung des Weihnachtsfestes: es ist die Zumutung der Freiheit und der Liebe, die uns in den Dienst nehmen und uns rufen. In Wahrheit ist eine Ermutigung!
So hat es Paulus erlebt, davon schreibt er in den trockenen und scheinbar so spröden Worten, die uns heute als Predigttext aufgegeben sind.
 „4 Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan,
5 damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen. 6 Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!
So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.“
Inder trockenen Sprache des frommen Rabbiners und Rechtsgelehrten hört man die tiefe Erschütterung, die diesem Menschen wiederfahren ist. Und was ist ihm wiederfahren? Nun, seine kühnsten Träume, seine tiefsten Hoffnungen, seine innersten Wünsche gingen in Erfüllung. Aber wie! Es traf ihn, wie Maria, wie Joseph, wie die Hirten, wie die Weisen aus dem Morgenlande: Er hörte den Ruf Gottes und konnte nur noch „Ja!“ sagen. Und das krempelte sein Leben vollständig um. Aus dem fanatischen Schriftgelehrten, aus dem Christenverfolger und Jesushasser wurde der Apostel, der den Glauben zu uns brachte.
Paulus, der jüdische Gelehrte, hatte versucht, wie die meisten von uns, ein rechtschaffenes, ein gutes, ein frommes, ein gottgefälliges Leben zu führen, in der stillen Hoffnung, dass er damit den Willen Gottes erfüllt, dass er damit mit sich und mit Gott ins Reine kommt, wenn er sich an die Worte des Gesetzes hält und bis aufs letzte Komma alles tut, was er für den Willen Gottes hielt. Seine Hoffnung war: so verdient er sich das Erbe Gottes, Ruhm, Ehre, einen Platz an Gottes Seite, ewiges Leben. Sein Fehler war: Gott mit dem Menschen zu verwechseln.
Das denken ja viele Menschen, dass das so geht:
Wir rechnen auf. Wir stellen Rechnungen aus. Wir denken nur in Gabe und Gegengabe. Wir stellen uns Gerechtigkeit vor als die große Abrechnung.
Aber weit gefehlt. Was Paulus als Frömmigkeit und Ernst des Glauben lebte und erlebte, entpuppte sich als Heuchelei und Überheblichkeit, als fromme Raserei und tödlicher Fanatismus. Was er als Glauben lebte und erlebte, entpuppte sich als bloße Ideologie und Rechthaberei. Es war für Paulus eine zutiefst erschütternde Einsicht, dass Gott ganz anders ist, als er ihn sich vorstellte. Es war eine zutiefst erschütternde Einsicht, eine Zumutung eben, dass Gott sich als Liebe zeigte und seine Gerechtigkeit sich als Geschenk entpuppte. Gott sprach zu ihm  nicht, weil er perfekt, fromm und gläubig war, sondern weil er ein Sünder, ein verlogener und verwirrter Menschen war. Gott hat Paulus aus seinem religiösen Wahn gerettet, wie er die Hirten aus der Vereinsamung und die Weisen aus ihrer verdrehten Gelehrsamkeit holte, wie er Maria und Joseph aus der Bedeutungslosigkeit holte. 
Das war das Weihnachten des Paulus. In ihm wurde Christus geboren, als er plötzlich die Stimme Gottes hörte. Und was er hörte, war ungeheuer. Reine Liebe sprach zu ihm. Reine Gerechtigkeit. Pure Gnade.
Paulus  wurde nicht zur Rechenschaft gezogen. Er musste sich nicht rechtfertigen vor Gott. Er wurde nicht blamiert,  vorgeführt und bestraft. Etwas völlig anderes geschah mit ihm: Er wurde in den Dienst der Liebe gerufen. Alle Fesseln des Gesetzes, alle Fesseln von Religion und Brauchtum fielen von ihm ab, etwas ganz Neues begann, etwas Radikales, nie zuvor Gehörtes und Gesehenes: die Geschichte der Liebe. Der Messias war längst da: geboren von einer jüdischen Frau. Es war der Mann, den Paulus so tief verachtete, Jesus von Nazareth. Gott hat seine Erben längst bestimmt: Alle die ihm vertrauen, gehören dazu. Es waren die Christen, die so tief verfolgte.
Fortan sollte Paulus ein Zeuge von dem sein, was er erlebt hat: Gnade! Überströmende Liebe, die weder nach Recht und Gesetz, weder nach Sitte und Moral, weder nach Brauchtum, Kirche oder Frömmigkeit fragt, sondern die nur eines will: unsere Gegenliebe, damit wir aus Liebe zu lieben lernen. Die wirkliche Liebe steht nämlich über aller Moral und Weisheit. Sie ist eine Tat: unbedingte Zuwendung, so, wie es eben nur Gott kann. Das ist die Zumutung von Weihnachten: die Zumutung der Liebe.
Der Lebendige Christus rief ihn in den Dienst, ohne alles, einfach so. Wie er die Hirten rief, wie er Maria rief, und wie er uns ruft, bis heute. Erben sollen wir sein, Erben seines Reiches.

Hier ist diese Botschaft ganz unmittelbar menschlich und politisch: Wir sind die Erben dieser Welt. Uns so sollten wir sie auch behandeln. Muss ich euch jetzt noch große Vorlesungen darüber halten, was das bedeutet? Wir Christen sind keine besseren Menschen, aber wir sind hörende, aufmerksame Menschen, die Gott an ihrer Seite wissen.
Christen sind nicht mutiger als andere, nicht klüger, nicht geschickter. Aber wir sind ohne Angst, wir kennen den Grund der Welt, wir wissen, worauf wir vertrauen können. Wir müssen die Welt nicht retten, weil sie längst gerettet ist. Unsere Aufgabe ist, das weiterzusagen und uns zu fragen: wie gehen wir mit dem Erbe um, das uns anvertraut ist?
Lasst uns dieses Erbe teilen: Brot und Wein sind ja nur ein Anfang, sie stehen für alle Gaben der Schöpfung. Für den Glauben ist der Wein, der hier steht, der wahre Glühwein, weil er uns zum Brennen bringen will: Zum Brennen für Gott. Für den Glauben ist das Brot, das wir reichen, der wahre Weihnachtschmaus: denn es stillt den Hunger unsere Seelen.
Gott sei Dank dafür, dass er unser Leben so reich macht mit einfachen Mitteln. Gott sei Dank dafür, dass er uns zu unserer Menschlichkeit führt mit so einfachen Taten. Gott sei Dank für Jesus Christus, der uns alle Furcht nimmt und uns vereint in dem einen Volk, in das man nicht geboren, sondern gerufen wird. Gott sei Dank für sein Wort, das uns treffen will wie einst die Hirten auf dem Felde und den frommen Rabbiner Paulus: Fürchtet Euch nicht, ich bins, der Vater Jesu Christi, Eures Bruders, und ihr seid meine Kinder!
Amen.