Donnerstag, 24. Dezember 2020

Innere Weihnacht. Christmette 2020.

 Gemeinde, Schwestern und Brüder im Herrn!

Die uns so bekannte und doch immer wieder neue Geschichte, die Lukas am Anfang seines Evangeliums erzählt, die Weihnachtsgeschichte, endet ganz still.

Sie erzählt, wie unter all dem Jubel und Trubel der äußeren Ereignisse etwas in Maria geschieht. Sie erzählt vom äußeren und vom inneren Weihnachten.


„Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen“.


In einem Film sähe man jetzt Maria, die ganz erschöpft, versunken und still den Hirten hinterherschaut, die wieder auf ihre Felder gehen. Für Maria schließt sich mit damit ein Kreis von Ereignissen, die lange vorher begannen, ein wirklich aufregendes Jahr geht zu Ende.

Genauer gesagt: Es begann rund eineinhalb Jahre früher. Da wurde nämlich ihre Cousine Elisabeth, die eigentlich aus den Jahren schon heraus war, schwanger. Das war schon merkwürdig und geschah unter merkwürdigen Umständen.

Und dann Maria selbst: Ein Engel verkündigte Ihr die Schwangerschaft, und er kündigte auch an, was für ein Kind das werden wird: Der lang erwartete Heiland, der Messias, der Christus, der Gottessohn, der, auf den alle hofften.

Das ist jetzt neun Monate her.


Das alles wird Maria in diesem Moment, wenige Stunden nach ihrer Geburt, durch den Kopf gegangen sein.

Aber mehr noch das, was sie gerade eben erlebt hat, denn jetzt ist ihr die ganze Tragweite des Geschehens deutlich geworden. Die äußeren Ereignisse zeigen ihren inneren Gehalt.

Bisher war das ja alles nur ganz wenigen Menschen bekannt: Ihrer Cousine Elisabeth, mit der sich sich ganz zu Beginn ihrer Schwangerschaft getroffen hatte, und natürlich Joseph, ihrem Verlobten und späteren Mann. Wem sonst hätte sie davon erzählen sollen, ohne sich lächerlich zu machen oder gar üblen Verdächtigungen ausgesetzt zu sein?

Niemand hatte eine Ahnung davon, was es mit diesem Kind und dieser Schwangerschaft auf sich hatte.

Und wer hätte das ahnen können?

Eine Geburt im Gasthaus während einer Reise, das ist zwar sicherlich nicht so häufig geschehen, aber so besonders ist das nun auch nicht.

Das Kind in die Futterraufe des Schlafraumes zu legen, den sich Menschen und Tiere teilen, ist letztlich einfach nur eine gute Idee, wohin sonst? Die Herberge war eine schlichte, einräumige Karawanenstation für Mensch und Tier, für solche Fälle nicht gedacht.

Durch die Hirten aber wird klar: Hier ist der Erlöser der Welt geboren. Hier ändert sich die gesamte Geschichte der Menschheit. Hier wird ein jahrundertealtes Versprechen Gottes eingelöst. Die Hirten sind die ersten menschlichen Boten der frohen Botschaft.

Was Weihnachten meint, geht selbst Maria erst ganz am Schluß auf: Gott wird Fleisch und kommt zu den Niedrigen.

Unter all dem Spektakel der Himmelserscheinungen, unter all den seltsamen Ereignissen des vergangenen Jahres öffnet sich jetzt, wo sie allein ist, der Blick für das wirkliche Wunder, das hier geschehen ist.

Für Maria wird es jetzt auch innen Weihnachten, in ihrem Herzen. Die äußeren Ereignisse sind nicht das, worum es geht, sie sind Begleiterscheinungen. Was zählt, ist das Innere, die Erkenntnis, das Verstehen, die Bewegung des Herzens in diesen einfachen Leuten, von denen die Geschichte erzählt.

Und so zeigt sich das Weihnachtsfest bis heute: Es gibt sozusagen ein äußeres Weihnachtsfest mit all seinen Zeichen und Symbolen, mit all seinen Festlichkeiten und Ritualen, mit all seinem nervigen Klimbim und seinem ernsthaften Brauchtum, das sich im Laufe der Jahrhunderte so angesammelt hat.

Und es gibt ein inneres Weihnachtsfest, wenn unser Herz bewegt wird von der Botschaft dieses Festes: „Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr“. Die Botschaft, die die Hirten von dem Engel und Maria von den Hirten gehört hat.

In diesem Jahr müssen wir auf vieles verzichten, was zum äußeren Weihnachtsfest gehört. Das empfinden die einen als schmerzlich, die anderen sind vielleicht ganz froh. Darüber zu streiten, bringt nicht viel. Es ist traurig, aber eine Katastrophe ist das nun wirklich nicht. Die finden wahrlich ganz anderswo statt.

Aber das innere Weihnachten, das unser Herz bewegt, darauf brauchen wir nicht zu verzichten. Das bleibt.

Und wer weiß:

Vielleicht hören wir es dieses Jahr klarer, deutlicher, tröstlicher als in den anderen Jahren.

Vielleicht ist dieses Jahr, das uns so viel Angst, Sorgen, Streit, Verzicht und Trauer gebracht hat, das Jahr des inneren Weihnachtsfestes, das uns Weihnachten mit neuen Augen erleben lässt und die Botschaft mit neuen Ohren hören lässt:

„Fürchtet Euch nicht! Siehe, ich verkündige Euch große Freude, die allem Volk wiederfahren wird, denn euch ist heut der Heiland geboren, wecher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids“. Und dazu der himmlische Gesang: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“

Das alles bewegte Maria in ihrem Herzen, als der Trubel vorbei war.

Lass es Weihnachten werden, lieber Gott, in uns, wie Du es in Maria hast Weihnachten werden lassen: In aller Stille, ganz bei uns, jenseits von allem Jubel und Trubel.

Lass es in uns Weihnachten werden wie in Maria in diesem ganz besonderen Jahr. Und lass uns hören wie schon lange nicht mehr: „Fürchtet euch nicht“! Amen. 

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